fitzek

Eine Entdeckung dieser Tage: Der Thriller “Noah” und sein Autor Sebastian Fitzek. Das Nachwort von 2013 – es war mir nicht bekannt, ich habe dort nicht abgeschrieben, obwohl meine Formulierungen und Inhalte oft sehr ähnlich sind:

“…Öl, das in 250 Millionen Jahren entstanden ist, haben wir in nur 250 Jahren verbrannt.”

Kürzlich wurden neue Daten zum Primärenergieverbrauch veröffentlicht, der in Deutschland 2017 “leicht” – nämlich um 0,8 % – angestiegen ist: eine Folge der guten Konjunkturentwicklung. Weiterhin kommen 80 % der Primärenergie aus fossilen Quellen. Etwas weniger Braunkohle, deutlich mehr Erdgas und Öl. Weniger Kernenergie, mehr “Erneuerbare”,  vor allem Windenergie – aber mit insgesamt 13 % am Energiemix ist das Pillepalle. Alle Bemühungen um Klimaziele und Erneuerbare lenken ab vom eigentlichen Problem: dem unhaltbar hohen und weiter steigenden Energieverbrauch in den Industrienationen.

“Nur ein unbeirrbarer Technik- und Fortschrittsgläubiger wird ohne Sorge in eine Zukunft blicken, in der zehn Milliarden Menschen Auto fahren, Langstreckenflüge unternehmen, Fleisch essen und Wasser trinken wollen.”

Lieber Herr Fitzek, ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als der erste Bericht des Club of Rome erschien, die Grenzen des Wachstums zum Thema und unbequeme Querdenker wie Herbert Gruhl Bestsellerautoren wurden. Der Egoismus des Menschen ist so alt wie die Menschheit: eine Geschichte von Macht, Gewalt, Ausbeutung und Zerstörung. Wohin das im 21. Jahrhundert führen wird,  hat Herbert Gruhl 1975 in “Ein Planet wird geplündert” meisterhaft beschrieben. Damals lebten erst vier Milliarden Menschen auf der Erde. Seither ist alles noch viel verrückter geworden: auch Grüne und Bioprodukte fliegen heute um die Welt, und Abwrackprämie, Schulden, Fracking, Erneuerbare Energien und Elektromobilität gelten den Wachstumsfetischisten als  neue Wunderwaffen. Wunderwaffen werden auch diesen Krieg nur verlängern und die Opferzahlen erhöhen. Den Krieg gegen die Natur und ihre Gesetze kann der Mensch nicht gewinnen.

“Es ist das Wirtschaftsystem jener Mächte, das auf maximales Wachstum und damit auf maximale Ressourcenvernichtung ausgelegt ist”.

Das klingt nach billiger Kapitalismuskritik, ist es aber nicht. Fitzek weiß, dass man vielleicht das System ändern kann, aber nicht die Menschen. Hat irgendeine andere Gesellschaftsordnung jemals die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beendet? Wird nicht immer nur die eine Ausbeutung durch eine andere ersetzt? Jene Mächte – das sind alle, die von diesem System, von Verschwendung und Überfluss profitieren. Wir alle. Hierzu Gruhl:

“Kein wie auch immer geartetes Wirtschaftssystem kann die schizophrene Forderung erfüllen, wonach auf die Verknappung nicht nachwachsender Ressourcen mit der exponentiellen Erhöhung ihres Verbrauchs geantwortet werden müsse.”

Nein, Herr Fitzek, es ist keine Frage des Wirtschaftssystems und auch keine Frage der Verteilung. Alle menschlichen Mittel gegen Egoismus, Schizophrenie und Kurzsichtigkeit werden versagen, so wie sie schon immer versagt haben. Allein die Natur wird den Wachstumswahn kurieren oder den Planeten von der Menschheit erlösen.

Entwurzelung und globale Verantwortungslosigkeit?

Vor grobem Unfug bewahrt am besten die Verantwortung gegenüber der eigenen Gemeinschaft: in der eigenen Familie, im Dorf, im Unternehmen oder im Verein. Je größer und anonymer die menschlichen Gemeinschaften, desto abstrakter wird Verantwortung. Die moderne Massengesellschaft ist ungefähr so verantwortungsbewusst wie ein Heuschreckenschwarm. Verantwortung gegenüber einer abstrakten Weltgemeinschaft wird das Verhalten der Menschen niemals maßgeblich beeinflussen: Das Hemd ist näher als der Rock, der eigene Stamm ist näher als die Menschheit. Alle Appelle an globale Verantwortung werden überhaupt nichts bewirken.

Entflechtung statt Globalisierung, Autonomie statt Abhängigkeit

Wollten wir nicht selbst immer größere, weltumspannende Strukturen, in denen Unterschiede, Grenzen und Verantwortung aufgelöst werden? Die Welt als Solidargemeinschaft, in der niemand mehr für die Folgen eigenen Handelns haften muss und die Kosten unserer Lebensweise sozialisiert werden? In der individuelle Haftung und Schulden auf alle verteilt werden?

Dieses Rad muss zurückgedreht werden, damit es wieder Verantwortung und langfristiges Denken geben kann.

Politik muß endlich damit beginnen, kleinräumige Strukturen, Selbstbestimmung, Selbstversorgung, Eigenverantwortung und Dezentralisierung wieder möglich zu machen. Nicht einmal fördern, sondern nur schützen, damit sie wieder ganz von selbst entstehen können.

Selbstverantwortung und Finanzautonomie müssen zurück in die Regionen und Gemeinden. Der Trend zu immer größeren Gebilden war politisch gewollt, er kann auch durch parlamentarische Mehrheiten umgekehrt werden. Die Agrarpolitik war immer Vorreiter einer gemeinsamen europäischen Politik, sie könnte den Anfang machen.

Die Agrarpolitik sollte den Anfang machen.

Es lässt sich etwas ändern, wenn wir es wollen. Allerdings müssen viele kleinkarierte Denkschablonen, Feindbilder und Grabenkämpfe überwunden werden.

Land, Wasser und Bodenschätze sind die natürlichen Lebensgrundlagen aller Menschen. Zwar mögen sie theoretisch “der Menschheit” gehören, aber das ist auch ein perfekter Vorwand für ihre Ausbeutung durch die Allgemeinheit. Konkret können diese Lebensgrundlagen nur den Menschen gehören, die die jeweiligen Regionen der Erde bevölkern, sich als Interessengemeinschaften in autonomen Staaten organisieren und sich für ihr Eigentum verantwortlich fühlen können.

Mit der Verantwortung für das eigene Handeln und das eigene Land fängt es an.

Politik sollte endlich damit beginnen, Souveränität und Eigentum aller Nationen oder Staaten zu respektieren. Jedem Staat, jedem Volk muss das Recht zugestanden werden, sich selbst ohne Einmischung von außen zu organisieren und die eigenen Lebensgrundlagen und Strukturen durch Gesetze und Grenzen zu schützen.

Selbstverständlich müssen sich alle Staaten oder Staatengemeinschaften durch Zollgrenzen gegen Dumpingimporte oder gegen den Ausverkauf der eigenen Lebensgrundlagen schützen dürfen.

Für alle – auch für Europa – heißt das:

Versorgungssicherheit mit hochwertigen Nahrungsmitteln durch eine nicht subventionierte, aber gegen Dumpingimporte geschützte Landwirtschaft.

Mag sein, dass Lebensmittel in Europa dann viel teurer würden. Aber die EU könnte die Ausgleichszahlungen einsparen und mit den freiwerdenden Mitteln und Einnahmen aus Importzöllen die Lebensmittelverteilung an Bedürftige finanzieren.

Was spielt es überhaupt für eine Rolle, ob linke oder eher rechte Motive – Sorge um andere Völker oder Sorge um die eigenen Kinder – zu der Erkenntnis führen, dass sich dringend etwas ändern muss?

siehe auch: www.sebastianfitzek.de