Als Milcherzeuger haben Sie keinen Einfluss auf den Milchpreis. Sie können Lieferverträge abschließen, Kosten zu senken versuchen, den Abnehmer wechseln oder auf Bio umsteigen. Das war es dann aber auch schon.

Die Preise für Agrarrohstoffe bilden sich auf dem Weltmarkt, auch die Futterkosten sind abhängig von weltweiten Entwicklungen. Das ist nicht neu: weltweiten Handel mit Getreide gab es schon lange vor der modernen Globalisierung. Nur der weltweite Handel mit Milchpulver und Milchprodukten ist eine neuere Erscheinung, ermöglicht durch energieintensive Verarbeitung, Kühlung und Transport. Ein Beispiel für die Korrelation zwischen Wachstum des Welthandels und Wachstum des Primärenergieverbrauchs mit den entsprechenden CO2-Emissionen.

Was wird die Welt im neuen Jahr bewegen und wie wird es sich auf den Milchpreis auswirken? Werden friedlicher Handel und steigender Energieverbrauch der wachsenden Weltbevölkerung einen höheren Lebensstandard ermöglichen? Oder wird es neue Verteilungskonflikte um die begrenzten Ressourcen der Erde geben?

Wird sich weiter alles um das Öl drehen, wie in den letzten hundert Jahren?

So oder so: die Energiefrage ist die Achillesferse des Welthandels. Industrie und Wohlfahrtsstaaten sind abhängig von billiger  fossiler Energie. Solange fossile Energie billig ist, wird die von der Land- und Forstwirtschaft mühsam gewonnene Energie geringgeschätzt, sie ist nicht wettbewerbsfähig. So wird der Anteil der Landwirtschaft an der Wertschöpfungskette immer geringer, während der Anteil energieintensiver, industrieller Vorprodukte und Verarbeitung wächst.

Landwirtschaftliche Erzeugung ist Energiegewinnung aus Sonne und Boden. Sie wird sich erst wieder lohnen, wenn fossile Energie und industrielle Verarbeitung viel teurer werden. Dann werden auch Milch und Käse sehr viel kostbarer werden.

Sicher ist: das Öl wird knapper, während der Bedarf steigt. Das wird sich vielleicht noch nicht 2018 in höheren Energiepreisen niederschlagen, weil noch genug gefördert wird. Vor zehn Jahren wurden bei steigenden Ölpreisen neue Vorkommen erschlossen, bei zu niedrigen Ölpreisen bleiben seit einigen Jahren aber Investitionen in Erschließung und Förderung auf der Strecke. Je länger dieser Trend anhält, desto größer wird das Risiko einer sprunghaften Verteuerung.

Die Ungleichgewichte im Welthandel, Überschuldung, Bevölkerungsentwicklung und wachsender Bedarf lassen befürchten, dass es nicht sehr friedlich weitergehen wird. Ob mit oder ohne Verteilungskämpfe: die Zeiten billiger Energie werden zu Ende gehen.

Sehen wir es positiv: Für den Milchpreis und die Landwirtschaft nahen früher oder später wieder goldene Zeiten.