Für Milchschwemme und Preisverfall der letzten zwei Jahre sind nicht alle Milcherzeuger verantwortlich. Die Ursachen sind bei konventionellen Betrieben zu suchen, die sich auf das Ende der Milchquote falsch vorbereitet und die Kapazitäten prozyklisch erweitert haben.

Diese Betriebe müssen jetzt Menge machen, um hohe Fixkosten und Schulden zu bedienen. Das ist ungesund. Gesunde Betriebe können auf Preiskrisen mit Kostenreduktion und Produktionsabsenkung reagieren. Und jetzt wird es interessant:

Zum Jahresende liegen die Anlieferungsmengen fast überall in der EU wieder auf dem Niveau bei Ende der Milchquote oder darunter. Nur in zwei Ländern ist die Milchanlieferung zwei Jahre in Folge zweistellig gewachsen: Irland und die Niederlande. Diese beiden Länder produzieren also jetzt 25 – 30 % mehr Milch als vor zwei Jahren.

Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn Friesland-Campina oder Ornua Cooperative (Kerrygold) diese Mengen bei den Erzeugern in Auftrag gegeben hätten, weil ihr Bedarf so groß ist. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Wir wissen natürlich nicht, ob diese Konzerne ihre Lieferanten zu Kapazitätserweiterung angestiftet oder ermuntert haben, um sich langfristig für ihren Kampf um Weltmarktanteile eine billige und willige Rohstoffbasis zu sichern. Abgeraten haben sie offenbar nicht. Der Mengendruck liegt durchaus im Interesse weltmarktorientierter Verarbeiter.

Wir wissen aber, dass ein derartig verrückter Kapazitätsaufbau ohne billiges Geld und Fördermittel nicht stattgefunden hätte. Überkapazitäten sind die Folge von Fehlanreizen. Vielleicht hat auch der eine oder andere geglaubt, dass das unternehmerische Risiko im Falle des Scheiterns schon irgendwie auf die Allgemeinheit abgewälzt werden kann.

Was kann man aus der Misere lernen?

Regionale Marken und Märkte sind auch für die Milcherzeuger besser als weltmarktorientierte Konzerne und deren Eigeninteressen.                         

Zweitens: Weg mit Staatsknete und Förderchaos!

Dieses Motto sollten sich die Bauern im Wahljahr 2017 auf die Fahnen schreiben. Das wären neue Töne, die das Land aufhorchen lassen würden. Die Allgemeinheit braucht dringend Vorbilder, die sich aus Versorgungsmentalität und Staatsgläubigkeit verabschieden und zeigen, dass es auch anders geht. Damit könnten die Bauern bei wichtigen gesellschaftlichen Themen die Meinungsführerschaft übernehmen!

Förderung muss im Interesse aller Milcherzeuger schnellstens abgeschafft werden, Förderprogramme darf es nicht mehr geben. Beihilfen für Produktionsabsenkungen müssen die Molkereien aus eigener Tasche finanzieren, Staatshilfen sind hier unverzüglich abzustellen!

Das unternehmerische Risiko von einzelnen darf nicht auf Allgemeinheit und Erzeuger in der ganzen EU umgelegt werden.

Aber das funktioniert nur in Verbindung mit Punkt 3:

Drittens: Alle Milcherzeuger müssen sich selbst beschränken.

Aber bitte ohne staatliche Zuschüsse für stillgelegte Kapazität. Wenn die Menge überall um zehn Prozent sinkt, kann und wird der Preis dauerhaft um mehr als zwanzig Prozent steigen. Wie kann die Mengenreduzierung gerecht verteilt werden?

Da fällt uns doch auch etwas ein:

Viertens: Gute, kostbare Milch braucht ein Alleinstellungsmerkmal.

Einigt und verpflichtet Euch auf Qualitätsstandards. Etwas anderes wird den Molkereien gar nicht mehr angeboten. Wer dagegen verstößt, gerät in Bann und Acht des Berufstandes, wird öffentlich an den Pranger gestellt und den Verbrauchern zum Fraß vorgeworfen. So funktioniert Marketing heute, Bauern können das selbst besser als Staat oder Konzerne, die daran auch gar kein Interesse haben.

Was sind Qualitätsstandards? Zum Beispiel ein Reinheitsgebot für Milch. Darin wird festgelegt, dass das Naturprodukt Milch nur aus besten, natürlichen und auf eigenen Flächen gewachsenen Zutaten zu bestehen hat.

Also ausschließlich mit dem Grundfutter von einheimischen, nicht überdüngten Flächen Milch erzeugen. Aus Marketing-Überlegungen würde ich auch den Verzicht auf Maissilage empfehlen. Je schärfer die Qualitätskriterien, desto stärker ist das Alleinstellungsmerkmal. Ideologie muss außen vor bleiben, es geht um ein gemeinsames Ziel:

Gute Milch kostbar machen!