Liebe Verbraucher, liebe Politiker, liebe Industrie- und Wohlstandsgesellschaft!

Ihr fordert von uns eine nachhaltige Wirtschaftsweise. Für diese Anregung sind wir Euch dankbar. Wir sind Bauern, wir machen uns oft zu wenig Gedanken über unser Tun. Wir sind es gewohnt, von früh bis spät zu schuften, um unsere Höfe erhalten, die wir an unsere Kinder weitergeben wollen. Da bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken.

Auch wir gehen nicht mehr jeden Sonntag in die Kirche. Stattdessen haben wir uns mal bei bauerwilli.com getroffen und die Sache beim Frühschoppen besprochen.   Wir sind zu ganz erstaunlichen Ergebnissen gekommen:

Nachhaltig ist eine Wirtschaftsweise, bei der einem System nur das an Ressourcen und Energie entnommen wird, was im gleichen Zeitraum nachwächst.

Zuwachs, also eine positive Energiebilanz, gibt es aber nur in der land- und forstwirtschaftlichen Produktion. Jede andere Erzeugung oder Umwandlung beruht auf Vernichtung von Energie und Ressourcen und hat eine negative Energiebilanz.

Mit anderen Worten: Als Landwirte gewinnen wir mit Hilfe von Sonne, Boden und Arbeit Energie, während Ihr sie mit Eurer Wirtschaftsweise vernichtet.

Und Ihr wollt uns jetzt etwas von Nachhaltigkeit erzählen?

Unsere Vorfahren lebten bereits nachhaltig, als Eure schon plündernd und brandschatzend durchs Land zogen. Ihr seid immer gerne zu uns gekommen, wenn in Zeiten der Not woanders nichts mehr zu holen war und Ihr selbst nichts gespart oder alles verloren hattet.

Wir sind bestimmt keine Musterknaben und überhaupt nicht perfekt, aber wir verstehen nicht, warum gerade wir als Sündenbocke und Prügelknaben für Eure Lebensweise herhalten sollen. Hat es damit zu tun, dass wir nur noch wenige sind und bei Wahlen nicht ins Gewicht fallen? Oder liegt es daran, dass wir lieber einfache und geduldige Menschen sind und nicht so raffiniert und ausgekocht wie Geschäftemacher und Politiker? Glaubt Ihr, dass man uns den schwarzen Peter zuschieben kann oder dass wir für Euch den Deppen machen?

Oder meint jeder mitreden und die Landwirtschaft kritisieren zu können, weil sich unsere Arbeit vor aller Augen abspielt und selbst aus Hochhaustürmen, Flugzeugen und Autos zu beobachten ist, während ihr Euch in Büros und Fabriken versteckt haltet, Euch nicht auf die Finger schauen lasst und oft genug – im Unterschied zu uns – nicht für Eure Leistung haften müsst?

Wir haben jahrzehntelang zugeschaut, wie eine Sau nach der anderen durchs Dorf getrieben wurde: schwarze, rote, grüne Säue. Kohle, Atomkraft, Öl, Erdgas, Ökostrom – alles nicht nachhaltig, weil immer mit negativer Energiebilanz oder unerwünschten Folgen verbunden! Und über die – keinesfalls nachhaltige – Verstromung von Biogas sind wir auch wieder mit im Boot. Wir haben Euch – wie so oft – Euer nicht nachhaltiges Geschäftsmodell abgekauft.

Euer Geschäftsmodell ist nicht nachhaltig, weil Eure Gier nach Energie und Geld gar nicht nachhaltig gestillt werden kann.

Von Nachhaltigkeit versteht Ihr doch gar nichts.

Viele Jahrzehnte lang haben wir uns Euren Schmarrn angehört. Wir haben uns manchmal gewundert, aber immer gedacht: sie werden schon wissen, was sie tun, denn sie sind sicher klüger als wir.

Die Überprüfung am Sonntagvormittag hat ergeben, dass das nie der Fall war. Ihr seid nicht klüger als wir, Ihr seid nur dreister.

Damit ist jetzt Schluss. Ab sofort hört Ihr lieber auf uns, wenn es um unsere Kernkompetenz geht. Nachhaltigkeit ist und war schon immer unsere Kernkompetenz. Wenn Ihr mit uns darüber reden wollt, bringt bitte Energiebilanzen mit.

Wenn Ihr bei Eurer räuberischen und kurzsichtigen Lebensweise bleiben wollt –    bitte sehr. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

Wir aber werden uns nach und nach aus Eurem Geschäftsmodell zurückziehen.    Wir waren nie wirklich davon überzeugt. Wir haben kurz einmal hinter die Kulisse geschaut – da war nichts! Nur Sprüche und Schulden. Nur heiße Luft!

Vielleicht wäre unser uraltes Geschäftsmodell auch besser für Euch?

Ihr könnt gerne mitkommen oder uns helfen, unsere Arbeit noch besser und nachhaltiger zu machen. Wie das gehen kann, erfahrt Ihr nächste Woche an dieser Stelle.

Eure Bauern