Die DLG hat seit ihrer Gründung den technischen Fortschritt in der Landwirtschaft gefördert und vorangetrieben. Die heutige Landwirtschaft ist produktiver als jemals zuvor. Die Industrialisierung der Landwirtschaft war ein großes Geschäft – für Industrie und Zulieferer. Kann es immer so weitergehen?

Vor 35 Jahren verschlug es mich in die Pflanzenschutzindustrie. Als junger Mensch wollte man gerne etwas Sinnvolles tun. Pflanzenschutz sollte helfen, eine rasch wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Pharmazeutische Präparate sollten den Menschen in aller Welt Familienplanung ermöglichen. Unternehmen wie Schering hatten den Anspruch, die Welt und das Leben durch Forschung und Erfindungen zu verbessern. Es gab bahnbrechende Erfindungen und Patente, die dem Unternehmen und der Gesellschaft Wachstum und Ertrag sicherten. Schering war im Weltmarkt sehr erfolgreich und hatte viele ausländische Aktionäre. Industrie und Banken waren geprägt von starken Persönlichkeiten, in der Deutschen Bank herrschte noch der Geist von Hermann Josef Abs. Führung wurde als Dienst an der Allgemeinheit verstanden, Integrität war bei Schering selbstverständlich. Unternehmer waren Vorbilder.

Die Bundeswehr diente der Landesverteidigung, Auslandseinsätze waren undenkbar und auch als Wehrpflichtiger konnte man an die gute Sache glauben. Wir konnten glauben, dass uns im Westen nicht nur gemeinsame Werte, sondern auch gemeinsame Interessen verbanden.

Die Landwirtschaft diente der Versorgung des eigenen Landes mit Nahrungsmitteln, Weltmarkt war Sache der Industrie. Dieses Konzept erschien damals ganz sinnvoll, denn man konnte sich noch an schlechte Zeiten erinnern.

Idealisiere ich hier gerade die Vergangenheit? Ist es das, was DLG-Präsident Carl Albrecht Bartmer meinte, als er jüngst in den DLG-Mitteilungen etwas nebulös davor warnte, Konzepte der Vergangenheit zu idealisieren? Ist die Industrialisierung der Landwirtschaft ein Konzept von gestern, das man nicht idealisieren sollte? Das wäre ein mutiger Paradigmenwechsel. Oder war die Bemerkung nur eine beiläufige Spitze gegen ewiggestrige Wachstums- und Globalisierungskeptiker wie mich?

Welche Konzepte der Vergangenheit mag Herr Bartmer gemeint haben?

 

weiterführende Lektüre: www.friedrich-weik.de