Messen und Medien verbreiten Optimismus, miese Stimmung ist schlecht fürs Geschäft. Bei Milchpreisen über 30 Cent dürfte das Schlimmste überstanden sein. Pech für die, die auf der Strecke geblieben sind. Die Überlebenden schöpfen neue Hoffnung und blicken in die Zukunft. Das Leben muss weitergehen.

Unangenehme Erlebnisse wollen wir möglichst schnell hinter uns lassen und vergessen. Ohne diese Fähigkeit zur Verdrängung würde das Leben oft unerträglich.

Die menschliche Vergesslichkeit erlaubt es der Politik, Probleme nur an der Oberfläche zu behandeln. Die Therapie beschränkt sich auf Krisenmanagement und Symptombekämpfung: wenn die Patienten mit kurzfristigen Finanzspritzen am Leben gehalten werden, kann man alles Weitere den Selbstheilungskräften überlassen. Wenn der Patient überlebt, interessieren ihn die Krankheitsursachen schon bald nicht mehr.

Für gründliche Diagnose und Suche nach Krankheitsursachen und Prävention ist keine Zeit. Das Wartezimmer ist voll, die Patienten können nur zusammengeflickt werden. Die Politik hastet weiter von Wahl zu Wahl. Es ist immer die gleiche Behandlungsmethode, ob der Patient nun Griechenland, Flüchtlingskrise oder Milcherzeugung heißt.

Ohne Behandlung der Ursachen werden alle Krisen nur verschleppt und verschlimmert.

Die nächste Milchkrise wird kommen, und wieder werden viele auf der Strecke bleiben. Davor bewahren Gleichgültigkeit und Gesundbeten ebenso wenig wie Panikmache.

Strukturwandel gehört zur Marktwirtschaft und zum Leben, keine Frage. Dieser Blog ist nichts anderes als Leidenschaft für Freiheit und Marktwirtschaft.

Aber was hat staatliche Lenkung durch Geld-, Förder-, Energie- und Umweltpolitik noch mit Marktwirtschaft zu tun? In einer Marktwirtschaft gibt es weder billiges Geld noch Förderung oder Beihilfen.

Billiges Geld und Förderprogramme setzen Fehlanreize, die immer wieder zu Überproduktion und Preisverfall führen werden. Kosten und unternehmerisches Risiko werden auf die Allgemeinheit abgewälzt. Die Verbraucher haben dafür kein Verständnis.

Die im Sommer durch top agrar und andere durchgeführten Umfragen haben bestätigt, dass die überwältigende Mehrheit der Landwirte nicht am Tropf des Staates hängen will. Was hält uns noch auf?

Ich behaupte: Ohne Fehlanreize durch staatliche Lenkung entsteht keine Überproduktion. Und Milch wäre sehr bald knapp und kostbar, wenn Kühe in der EU nur von nachhaltig bewirtschaftetem Grünland gefüttert werden dürften.

Eine steile These? Meinetwegen. Haben Sie einen besseren Vorschlag?