Letzte Woche ging es hier um die Grenzen des Machbaren beim Liegekomfort in Hochboxen. Ein Problem mit der Grenze des Machbaren hat zur Zeit auch die Autoindustrie. Warum hat dort niemand den Mund aufgemacht und darauf hingewiesen, dass strenge Abgasnormen und hohe Motorleistung nicht unter einen Hut zu kriegen sind?
Es gibt zwei mögliche Erklärungen: Entweder halten die Verantwortlichen in der Autoindustrie die Naturgesetze für überwindbar.
Oder – und das ist wahrscheinlicher – die Autobauer wussten, dass perpetuum mobile oder eiermilchlegende Wollmilchsau nicht möglich sind. Sie haben aber lieber geschwiegen. Widerspruch schadet der Karriere. Konzernvorstände möchten die politische Führung nicht verärgern. Und die unteren Etagen widersprechen auch nicht ihren Chefs. So wird Opportunismus zu einem System, in dem sich alle selbst belügen.

Auf allen Ebenen nur noch Jasager?

Also lässt man sich die Quadratur des Kreises befehlen und geht an die Arbeit. Was aber soll der arme Jasager machen, wenn er an die Grenzen des Machbaren stösst? Er kann nur anfangen zu tricksen. Man versucht, den Schein zu wahren, solange es geht.

Schein und Sein

Der Wohlfahrtsstaat gründet auf dem Konsens, alle Interessengruppen mit einem immer größeren Anteil am wachsenden Kuchen zufriedenzustellen. Der Kuchen muss wachsen, denn nur Wachstum und Fortschritt sichern den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den inneren Frieden. Der Wohlstand wird im Export erwirtschaftet, und hier vor allem von den Schlüsselbranchen Autoindustrie, Chemie und Maschinenbau.

Das Wachstumsmodell der Schlüsselbranchen stösst in der globalisierten Wirtschaft an Grenzen: Chemieprodukte können andere mit niedrigeren Umweltstandards billiger produzieren, prestigeträchtige deutsche Autos können sich eigentlich nur noch wenige in der Welt leisten. Das dennoch viel verkauft wurde, liegt auch am Strohfeuer durch billige KFZ-Kredite und Leasing. Aber irgendwann ist das ausgereizt. Und China wird deutsche Maschinen und Autos irgendwann gerne selbst produzieren.

Sozialindustrie, Finanzindustrie oder Energiewendeindustrie als neue Wachstumsträger?

Was macht man, wenn das Wachstumsmodell fadenscheinig wird? Man sichert Beschäftigung und Arbeitsplätze durch neue Industrien. Wo es keinen Markt und keine Nachfrage gibt, springt der Gesetzgeber ein. Energiewendeindustrie, Sozialindustrie, Finanzindustrie oder Elektromobilität sind das Ergebnis von Planwirtschaft und Interventionismus. Das ist der große Schwindel, von dem die Entrüstung über die Autoindustrie nur ablenkt.

Seit die Notenbanken die wundersame Geldvermehrung in Gang gesetzt haben, spielen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit überhaupt keine Rolle mehr.

Ob Masseneinwanderung mehr schadet als nutzt? Egal, sie schafft Arbeitsplätze in der Sozialindustrie. Außerdem möchte sich niemand dem Vorwurf aussetzen, angesichts von menschlichem Leid Kosten/Nutzen-Rechnungen anzustellen. Wer nicht unangenehm auffallen will, hält den Mund und sieht zu, wie der Sozialstaat durch Überforderung in den Ruin getrieben wird. Regierung und Zentralbanken übernehmen ja auch alle Kosten und Risiken.

Kann Konsum auf Kredit nachhaltig sein? Spielt keine Rolle, schafft Arbeitsplätze in der Finanzindustrie.

Ob massenhafte Elektromobilität viel mehr Energie und Ressourcen verschlingen würde als Benzin- und Dieselfahrzeuge? Interessiert nicht, wenn nur keine Abgase aus dem Auto kommen und Arbeitsplätze geschaffen werden. Kosten spielen keine Rolle und Strom kommt aus der Steckdose.

There ain´t no such thing as a free lunch.

Wachstums- oder Schuldenfalle? Ach was. Politik und Staat werden es schon richten, wie man nach der letzten Finanzkrise sehen konnte. Auch die traditionellen Schlüsselbranchen müssen sich fügen. Da passt doch dieser Abgasskandal gut ins Konzept. Warum sind sie auch so störrisch und produzieren nicht schon lange Elektroautos? Politik und Medien werden Euch auf die Sprünge helfen, Freunde!

Oder machen wir uns alle gern etwas vor? Ist es nicht scheinheilig, mit dem Finger auf andere zu zeigen? Wie jetzt auf die Autobosse? Wenn doch überall der Schein regiert…. Vielleicht sind die Mächtigen eigentlich nackt und am Ende ihres Lateins? Anders kann man sich den Irrsinn kaum erklären.

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