Gummibeläge im Milchviehstall

Wohin geht der Trend?

Vor zehn Jahren schienen Gummimatten noch eine einfache Antwort auf viele Probleme zu sein. Aber Gummibeläge in Liegeboxen können Einstreu und Boxenpflege nicht ersetzen, und im Laufbereich sind Klauenerkrankungen auch auf Gummibelägen nicht verschwunden.

Wo sind Gummibeläge sinnvoll?

Das Angebot ist im Zuge der Globalisierung in den letzten zehn Jahren sehr vielfältig geworden. Herkunft und Qualitätsunterschiede sind für den Landwirt nicht ohne weiteres erkennbar.

Während die europäischen Hersteller vor allem Reifenmischungen oder Altreifenregenerate verarbeiten, handelt es sich bei Importen aus Fernost oft um Naturkautschukprodukte.

Je weicher, desto besser? Das war einmal.

Gummibeläge in Hochboxen sind in Deutschland beliebt, weil sich das solide Material schon im Anbindestall seit Jahrzehnten bewährt hatte und die heimischen Hersteller über eine starke Marktstellung verfügen. Aber Hochboxen liegen nicht mehr im Trend. Und den schrumpfenden Markt müssen sich immer mehr Anbieter und Produkte teilen. Einen ansehnlichen Teil dieses Marktes haben auch Matratzen und Weichbetten mit dünneren Deckbahnen erobert, die mit massiven Gummimatten nichts mehr gemein haben.

Die Industrie profitiert von der neuen Unübersichtlichkeit. Dadurch entsteht Beratungsbedarf: man kann Unterschiede betonen und Vorzüge herausstellen. Da aber eine Medaille immer zwei Seiten hat und selten die ganze Wahrheit erzählt wird, kann es mit immer mehr Fabrikaten und Herstellern auch immer mehr Enttäuschungen geben.

Andererseits gibt es inzwischen auch in fernen Ländern Hersteller, die den Traditionsherstellern in Europa allemal das Wasser reichen können oder sogar überlegen sind. Naturkautschuk wird am besten dort verarbeitet, wo er herkommt. Die dortigen Hersteller sind flexibel und verfügen über kostengünstige Mischungen. Der schwache US-Dollar verschafft ihnen derzeit zusätzliche Kostenvorteile gegenüber europäischen Produzenten.

Man vertraut dem, was man kennt.

Der Markt versucht ein Optimum zwischen Liegekomfort und Haltbarkeit zu finden. Mit Gummibelägen geht man auf Nummer Sicher, auch wenn der Liegekomfort nicht immer optimal ist.

Gelenkprobleme sind nicht signifikant oder treten in den Hintergrund. Im Falle von Gelenkproblemen wird sich der Lieferant für unzuständig erklären, denn erstens spielen hier Bewirtschaftung, Einstreu und Boxenpflege eine große Rolle und zweitens zeigen die DLG-Prüfberichte, dass es 100%ige Gelenkgesundheit in Hochboxen nicht zu geben scheint.

Haltbar und komfortabel. Aber auch pflegeleicht?

Es gibt durchaus Gummibeläge, Weichbetten oder Matratzen, die haltbar und sehr komfortabel sind. Aber die Liegeboxen müssen gepflegt und eingestreut werden. Das ist immer mit Arbeitsaufwand verbunden, in Hoch- und in Tiefboxen.

Wenn Gummibeläge ähnlich gepflegt und nachgestreut werden müssen wie Tiefbuchten – welche Vorteile haben dann noch Hochboxen mit Gummibelägen?

Weniger Gummi in Hochboxen, mehr Gummi in Tiefbuchten?

Die weitere Entwicklung dürfte zu Belägen führen, die die Pflege der Hochbox vereinfachen – mit oder ohne Gummi. Zum Beispiel durch mehr Einstreu, bessere Ableitung oder Aufnahme von Nässe im hinteren Bereich der Liegebox.

Andere Neuentwicklungen wie Sandbettwaben oder Teilmatratzen sollen auch die Pflege der Tiefbox vereinfachen. Und doch wird wohl kein System ganz ohne Pflegeaufwand funktionieren können. Ob sich eine Rationalisierungsinvestition lohnen kann, hängt vom jeweiligen Einsparpotential ab. Es wird immer zu überlegen sein, welcher Aufwand zur Mobilisierung der letzten Leistungsreserven noch sinnvoll ist.

Oder  lieber den Kapitaleinsatz reduzieren und mit etwas mehr Arbeit ein möglichst gutes Ergebnis halten?

Perfekte, hundertprozentige Leistung ist wirtschaftlich gar nicht erstrebenswert, weil der Mitteleinsatz für die letzten zehn Prozent in der Regel überproportional steigt. Deshalb sind bewährte Standardlösungen in Hochboxen ein vernünftiger Kompromiss: Weichbetten, Latexmatratzen, Komfortmatten oder Komfortbeläge mit einer gut gepflegten Einstreuschicht.

Und die Laufgänge?

Für Laufgänge sind heute – vor allem im Neubau – einfache und maßgeschneiderte Beton-Gummi-Kombinationen möglich, die optimal auf die Entmistung abgestimmt sind. Die weitere Entwicklung dürfte zu noch dickeren und stabileren Gummiauflagen führen. Hersteller, die Altreifengranulat einsetzen können, sind hier im Vorteil gegenüber Wettbewerbern, die auf teure Neugummimischungen angewiesen sind. Als Ergänzung oder Alternative zu Beton kommt in den Laufbereichen nur Gummi in Frage.

Maßgeschneiderte Spaltenbodenauflagen für jeden Spaltenboden sind aufwändig in Herstellung und Vertrieb. Das kann nicht jeder Hersteller leisten, deshalb können sich leistungsstarke Hersteller mit solchen Lösungen gut profilieren. An einfacheren Lösungen und mehr Wettbewerb sind sie gar nicht interessiert. Hier müssten die Hersteller von Entmistungsanlagen die Initiative übernehmen.

Wäre es nicht sinnvoller, ältere Betonspalten mit geschlossenen Gummiauflagen ziemlich komplett abzudecken und darauf Schieber laufen zu lassen? Lebensdauer, Wiederverwendbarkeit und Befestigung der Gummiauflagen könnten damit verbessert bzw. vereinfacht werden. Hat das schon jemand ausprobiert? Erfahrungsberichte werden hier gerne veröffentlicht!

siehe auch: www.liegeboxen.de/gummimatten-aus-altreifengranulat/