Ein ganzes Berufsleben lang habe ich an der Industrialisierung der Landwirtschaft mitgewirkt, zuletzt habe ich mehr als zwanzig Jahre lang Gummibeläge für Kuhställe entwickelt und verkauft. Heute bin ich davon überzeugt, dass es für Bauern, Kühe und Verbraucher besser ist, wenn Kühe natürliches Futter bekommen und auf natürlichem Material liegen. Nicht wegen Umwelt und gesellschaftlicher Akzeptanz, sondern vor allem aus wirtschaftlichen Überlegungen. Die industrielle Tretmühle aus Produktivitätssteigerung und Preisverfall führt nicht nur in der Landwirtschaft in eine Sackgasse, in eine Art thermodynamischen Kollaps: Wirtschaft und Gesellschaft droht der “Wärmetod” durch Überfluss.

Wohlstand und Wohlfahrtsstaat verdanken wir der Industrialisierung und der Verfügbarkeit von billiger Energie. Das ist in Deutschland nach wie vor zu 80 % Energie aus fossilen Quellen, für die es einen kostengünstigen Ersatz nicht gibt. Die großen Innovationen und Produktivitätssprünge des Erdölzeitalters liegen hinter uns, die günstigsten Ressourcen sind bereits erschöpft. Die Weltbevölkerung hat sich im Laufe eines Menschenlebens verdreifacht und alle möchten noch schnell etwas vom Reichtum des Erdölzeitalters erwischen. Es kann nur teurer und schwieriger werden. Zwar scheint die Sonne kostenlos, aber Landwirte wissen, dass Energiegewinnung und -Speicherung ohne Kosten und Risiko nicht möglich sind – auch bei Sonnenenergie aus Photosynthese. Wertschöpfung und Produktivität sind immer mit Mühe und Aufwand verbunden.

Dennoch ist fossile Energie billig, weil alle Förderländer wachsende Einnahmen brauchen. Alle sind in der Tretmühle: Je geringer die Gewinne, desto größer der Umsatzdruck. Der Druck erhöht sich durch Verschuldung, die schneller wächst als Wirtschaft und Einnahmen. Das Finanzsystem ist das zentrale Nervensystem einer kranken Weltwirtschaft, die mit ausufernder Kreditgeldschöpfung die natürlichen Grenzen des Wachstums zu überwinden versucht. Ein Schneeballsystem, das irgendwann an sein Ende stoßen muss.

Jedes Wachstum endet in der Regel abrupt an einer “Seneca-Klippe”: dem langsamen Aufstieg folgt der jähe Absturz. Die Klippe rückt allmählich näher.

Was berechtigt zu der Annahme, dass Energie und Geld als “Brennstoffe” der Industriegesellschaft immer billig bleiben werden? Der Wärmetod der Währungen heißt Inflation, nach Kollaps und Währungsreform wird gutes Geld sehr teuer sein. Die Entwertung der Währungen ist in vollem Gange. Billiges, neues Geld entwertet Ersparnisse und fließt in Spekulationsblasen und unproduktive Fehlinvestitionen. Energieangebot und Energiepreise werden ganz anders aussehen, wenn die Kosten der Förderung und Erhaltung von Förderanlagen ebenfalls in harter und knapper Münze zu kalkulieren sind.

Die heutige Kapital- und Energieintensität haben in Vergessenheit geraten lassen, dass Landwirtschaft nichts anderes ist als Energiegewinnung mit Hilfe von Sonnenenergie, Boden und Arbeit; Energiegewinnung aus der eigenen Fläche mit eigenen Mitteln. Wenn die Erträge mit höherem Mitteleinsatz nicht mehr zu steigern sind, kann man das Ergebnis nur durch niedrigeren Mitteleinsatz zu verbessern oder zu halten versuchen.

Weder der Einzelne noch die ganze Menschheit können dauerhaft über ihre Verhältnisse leben. Jeder Mensch, jede Familie und jedes Land müssen mit dem auskommen, was sie selbst erwirtschaften. Das ist mühsam, unpopulär und nicht so leicht zu vermitteln wie der Traum von Wohlstand ohne Anstrengung oder vom billigen Leben auf Kosten anderer. Kommende Generationen  werden es wieder lernen müssen.

Werden Zweck und Sinn von Landwirtschaft erst wieder begriffen werden, wenn Ersparnisse und Substanz der Wohlstandsgesellschaft verbraucht und vernichtet sind? Fremdes Geld und fremde Energie werden dann unerschwinglich sein.

Empfehlenswert: “Bis zur letzten Kuh