Gute Milch kostbar machen

Lebenslügen: Landwirtschaft, Konsum und Klimaziele

Kürzlich wurde in Davos wieder auf hohem Niveau – 1.560 m ü. M. – über die Probleme der Welt gesprochen. Dank Radio und Fernsehen erreicht das Palaver auch unser deutlich tieferes Niveau in Südniedersachsen (280 m ü. M.). Immer wieder im Mittelpunkt: Die klimaschädliche Landwirtschaft, insbesondere die Tierhaltung.

Da wurde im Deutschlandfunk die Vertreterin einer NGO befragt, in welchem Ausmaß Emissionen aus der Tierhaltung zum Klimawandel beitragen und was sich in der Landwirtschaft ändern müsse. Die Antwort war nicht im Sinne der Reporterin: Die Tierhaltung habe einen erheblichen Anteil an den klimaschädlichen Emissionen, aber durch Änderungen in der Tierhaltung werde man daran nicht viel ändern. Das eigentliche Problem sei der Fleischkonsum, mit einer Verringerung des Fleischkonsums könne man vier Mal so viel erreichen wie mit einer vermeintlich umweltfreundlicheren Tierhaltung.

Eigentlich eine Binsenweisheit. Man versteht gar nicht, dass darüber geredet werden muss. Wenn die Gesellschaft bzw. der Markt viel billiges Fleisch verlangt, gibt es eben auch viele klimaschädliche Nebenwirkungen.

Viel unverständlicher ist es, dass Journalisten und große Teile der Gesellschaft das Offensichtliche entweder nicht hören oder nicht verstehen wollen. Die Reporterin hakt immer wieder nach. Sie will unbedingt eine Story über die böse Landwirtschaft, die sie von ihrer Interviewpartnerin nicht bekommt.

Die Massengesellschaft will Sündenböcke

Das ist ein gesellschaftliches Phänomen: Die Verantwortung für Fehlentwicklungen möchte die Massengesellschaft Minderheiten zuweisen. Die Herde – oder das Wolfsrudel? – besteht aus der Masse der Mitläufer und einigen Leittieren, der politischen Klasse. Beide möchten das Herdenverhalten nicht in Frage gestellt sehen. Wenn etwas schiefgeht, wird die Schuld “profitgierigen” Minderheiten zugewiesen. Bauern sind perfekte Sündenböcke, weil sie als Individualisten und Unternehmer eine Minderheit bilden.

Wenn der Fleischkonsum zu hoch ist, ist Fleisch offenbar zu billig

Jeder weiß, dass das Konsumverhalten nur über Preise zu ändern ist. Bitte kommen Sie mir nicht mit sozialen Einwänden. Wenn es der Gesellschaft wirklich um Klimaziele und Nachhaltigkeit ginge, müsste sie sich eine Vervierfachung der Fleischpreise zumuten. Das wäre nicht nur zumutbar, sondern vielleicht auch gesund. Dasselbe gilt für Zucker und andere energiereiche Nahrungsmittel.

Bauern werden nichts dagegen haben, mit weniger Menge höhere Einkommen zu erzielen

Rohstoffe sind unterbewertet und viel zu billig, weil die Gesellschaft Konsum und hohen Lebensstandard will. Wachstum und Wohlstandsmehrung finden auf dem Rücken der Bauern statt: Für Lebensmittel und Agrarrohstoffe wird immer weniger ausgegeben, damit mehr Geld für Autos, Fernreisen und Unterhaltung zur Verfügung steht. Globalisierung und Freihandel machen es möglich, die Rohstofferzeuger weltweit gegeneinander auszuspielen.

Unterdessen ruiniert der Billigkonsum nicht nur das Klima, sondern auch die Landwirtschaft. Aber wer will das hören?

Alle reden über das Klima. Es gibt unzählige Konferenzen, Vorschläge, Pläne, Ziele und Schuldzuweisungen. Alles nur Theaterdonner! Lippenbekenntnisse sollen den Eindruck erwecken, dass das Problem erkannt ist und etwas getan wird. Symbolpolitik, die den Kern der Sache meidet wie der Teufel das Weihwasser: den Lebensstandard der Industrienationen. Keiner will davon reden, weil es im Grunde jeder weiß: Energieeffizienz- oder Klimaziele sind gar nicht ernst gemeint.

Lebenslügen: Nachhaltiges, umweltverträgliches Wachstum

Die Industriegesellschaft möchte gerne glauben, dass sie weitermachen kann wie bisher. Etwa durch regenerative Energie oder Steigerung der Energieeffizienz. Hier setzt die Physik Grenzen, das pepetuum mobile ist ein alter Traum der Menschheit. Die Tatsachen sehen anders aus: Der Energie- und Rohstoffverbrauch steigt und korreliert mit Lebensstandard und “Konsumklimaindex”.

Eine Verdoppelung der Erzeugerpreise wäre gut für alle – für die Umwelt und die Allgemeinheit

Höhere Preise für tierische Erzeugnisse kann es nur mit Importschranken für bestimmte Agrarrohstoffe und Lebensmittel geben. Und vielleicht würde die europäische Einigung wieder eine Erfolgsgeschichte, wenn der EU-Haushalt aus europäischen Einfuhrzöllen finanziert würde?

zu Teil 2: Schulden, Wachstum und Wohlstand

Unbedingt lesen: “Der Gipfel der Realitätsverweigerung”