“Investiert wird aus dem Gewinn, Schulden sind zu vermeiden”.

So habe ich es noch von meinem Vater gelernt. Der wiederum hatte diesen Grundsatz von seinen preußischen Vorfahren übernommen. Eine altmodische Einstellung, über die sich moderne Wirtschaftsführer und Studenten der Betriebswirtschaft belustigen mögen.

Die Alten kannten aus der Natur nur organisches Wachstum: nur der erwirtschaftete Energieüberschuss kann in neues Wachstum investiert werden, und irgendwann ist Schluss: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Für jeden lebendigen Organismus auf der Erde sind die Wachstumsmöglichkeiten begrenzt und endlich. Den Nachfahren hinterlässt man keine Schulden, deshalb nimmt man nie mehr Geld auf, als man selbst kurzfristig zurückzahlen kann.

Konservative Grundsätze sind im Wettbewerb hinderlich. Wer nur das bereits verdiente Geld in Wachstum investiert, kann nicht so schnell wachsen wie der, der Investitionen fremdfinanziert. Der solide, konservative Unternehmer muß dabei auf der Strecke bleiben.

Wer sich verschuldet, um schneller zu wachsen, tut dies in der Erwartung, die Schulden aus späteren Gewinnen und Einkommen bedienen zu können. Er investiert in der Hoffnung auf künftige Gewinne, die keineswegs sicher sind. Nach den Maßstäben meiner Vorfahren wären solche Unternehmer keine Investoren, sondern Spekulanten.

Jede frühere Generation hat erfahren und beobachten können, dass das Leben viele Überraschungen bereit hält und die Zukunft nicht zuverlässig planbar ist. Eine ungewisse Zukunft sollte nicht mit Schulden belastet werden.

Das 21. Jahrhundert hat sich von dieser alten Erfahrung befreit. Schulden sind selbstverständlich, fremdes Geld ist billig, Zinsaufwand kann als Betriebsausgabe abgesetzt werden.  Ein Narr, wer da nicht zugreift. Risiko? Politik und Zentralbanken werden es schon richten. Die globale Verschuldung war noch nie so groß wie heute, und sie wächst schneller als die Weltwirtschaft.

Auf der ganzen Welt wachsen die Schulden schneller als Einkommen oder Gewinne. Ein immer größerer Teil der weltweiten Verschuldung fließt in den Konsum, Kredite werden verfrühstückt, das Geld ist weg und wird nie zurückgezahlt werden können. Diese Schulden werden nicht getilgt, sondern durch immer neue Kredite abgelöst. Eine gigantische Luftnummer, ein Schneeballsystem, die fundamentale Lebenslüge des 21. Jahrhunderts.

Wir werden von Spekulanten regiert: Das Prinzip Hoffnung.

Unternehmenslenker und politische Führer müssen Optimismus verbreiten, sie verkörpern die allgemeine Sorglosigkeit und das Prinzip Hoffnung. Der Konsum der breiten Masse muß bei Laune gehalten werden, das Geld muß sich drehen. Nur so können die Schulden bedient und Kredite durch neue Kredite abgelöst werden. Angst und Sparsamkeit würden den Konsum und damit die Wirtschaft einbrechen lassen, das Spiel wäre aus.

Wohlstand durch Konsum?

Jeder Landwirt kann idealerweise Gewinne in Wachstum investieren, indem er Flächen kauft. Die zusätzliche Fläche mehrt die Substanz, das Kapital des Betriebes. Aber nach Flächen und risikofreier Anlage sucht auch Geld, das nicht aus Gewinnen stammt, sondern aus Krediten. Wenn die Anschaffungspreise zu hoch sind, kann keine Verzinsung, kein zusätzlicher Gewinn mehr erwirtschaftet werden. Wenn Sparen und Investieren sich nicht mehr lohnen, wird das Geld ausgegeben und befeuert den Konsum.

Ein Strohfeuer, dem der Brennstoff nie ausgehen darf: die Notenbanken werden Papiergeld in beliebiger Menge zur Verfügung stellen.

Völlig unsolide und überhaupt nicht nachhaltig, aber was soll es…

…solange wir uns an diesem Feuer wärmen können, nehmen wir es mit der Nachhaltigkeit nicht so genau.

Das einmalige Experiment weltweiter Schuldenwirtschaft kann nur im Ruin enden. Mit der Aufhebung der Goldbindung des US-Dollars wurde die Geldlawine 1971 losgetreten, sie rollt nun schon seit 46 Jahren auf uns zu und nimmt immer noch Fahrt auf. Die Natur und die Gesetze der Schwerkraft sorgen dafür, dass sie nicht mehr beherrscht werden kann: sie wird ihre Wirkung nicht verfehlen und Währungen, Geldwert, Staaten und Sozialsysteme in den Abgrund reißen. Die Geldmenge ist entfesselt und ergießt sich zunächst über die Vermögensgüter und Anlageklassen. Aber da wird sie nicht bleiben. Wenn Immobilien zu teuer werden, müssen auch die Mieten steigen. Der Ertragsdruck wächst mit steigenden Zinsen. Wer keine Preiserhöhungen durchsetzen kann, wird das Nachsehen haben.

Und ja – kluge Köpfe haben das auch schon vor dreißig oder vierzig Jahren erkannt und behauptet. Damals konnte der Dollar noch einmal stabilisiert werden, mit Zinsen von fast 20 %! Bei heutigem Schuldenstand ist Geldentwertung alternativlos und nur eine Frage der Zeit.

Kollektiver Konkursbetrug?

Wer sich Geld leiht, obwohl er weiß, dass er es nie zurückzahlen kann, betrügt den Kreditgeber. Die Welt hat sich im 21. Jahrhundert darauf verständigt, nicht so genau hinzuschauen. Alle wissen, dass die Schuldenberge niemals wieder abgetragen werden können. Jeder ist irgendwie als Kreditnehmer oder Gläubiger beteiligt, alle machen mit beim größten betrügerischen Konkurs aller Zeiten.

Aber wer will das wissen?

Interessante Fakten: https://www.goldseiten.de/artikel/362729–