Gite Milch kostbar machen

Die DLG-Mitteilungen 8/2017 berichten über den jüngsten Produktionskostenvergleich unter europäischen Milchviehbetrieben (EDF), an dem sich fast 300 Betriebe aus 16 EU-Ländern sowie einige Betriebe aus der Schweiz und Kanada beteiligt haben. Die mit 130 € /Kuh etwas niedrigeren Produktionskosten ergaben in Verbindung mit abermals gestiegener Milchleistung eine durchschnittliche Kostensenkung um 1,5 Ct/kg ECM.
Die Kostensenkung war vor allem auf günstige Preise für Futter, Kraftstoff und Düngemittel zurückzuführen.

Gegen den Trend sind die Kosten in den Niederlanden deutlich gestiegen, weil Emissionsprobleme und Flächenmangel keine Aufstockung mehr erlauben oder sogar eine Verkleinerung der Herde erfordern.

Die Fixkostenbelastung pro Kuh ist relativ konstant, führt aber bei steigenden Milchleistungen zu etwas niedrigeren Fixkosten pro kg ECM.

Die durchschnittlichen Vollkosten liegen nun bei knapp 35 Ct je kg ECM.

Fazit: Selbst die DLG ist skeptisch, ob die Kosten noch weiter sinken können. Kostensenkung durch Rationalisierung ist weitgehend ausgereizt. Die proportionalen Kosten können bei anziehenden Preisen für Energie und Betriebsmittel auch schnell wieder steigen.

Asylanten für die Boxenpflege?

In anderen Ländern mit weltmarktorientierter Landwirtschaft werden einfache Stallarbeiten oft von ungelernten Billigarbeitskräften verrichtet, in den USA z. B. durch Mexikaner oder Puertoricaner. In Deutschland ist das undenkbar. Hierzulande gilt es auch als  unzumutbar, arbeitsfähigen jungen  Menschen staatliche Grundsicherung nur gegen Arbeitsleistung zu gewähren. Eine Entlastung der proportionalen Kosten durch Niedriglohn wird es so bald nicht geben.

Kritisch bleibt die Fixkostenbelastung.

Wenn die Vollkosten nicht dauerhaft aus den Erlösen gedeckt werden können, rechnen sich weder Ersatz- noch Erweiterungsinvestitionen.

Weniger Arbeit durch teure Technik? Das war gestern. Boxenlaufstall, Hochboxen oder Spaltenboden dienten der Rationalisierung. Sie zogen weitere Investitionen in Kuhkomfort, Melktechnik und Leistungssteigerung nach sich, hinzu kommen mehr und mehr politisch getriebene Investitionen in Emissionsminderung oder besonders tiergerechte Haltung. Das alles führt zu einer hohen Fixkostenbelastung, die sich nicht mit der gewünschten Weltmarktfähigkeit verträgt. Dieser Standortnachteil sollte nicht durch Förderung und Ausgleichszahlungen kompensiert werden, sondern durch höhere Erzeugerpreise.

Auf marktwirtschaftlichem Wege geht das nur durch Qualitätsstandards in Verbindung mit Außenschutz.

Je besser die Qualität, desto geringer die Menge, desto höher der Preis. “Gute Milch kostbar machen” kann nur heißen: freiwillige Beschränkung durch mengenwirksame Qualitätsstandards. Wäre eine verbrauchernahe Erzeugung und Verarbeitung von Frischmilch nicht auch ein Beitrag zum Klimaschutz? Oder auch die freiwillige Beschränkung auf Futter von eigenen Flächen?

Meistens ist indessen der planwirtschaftliche Interventionismus von Regierungen und Politik  die Ursache von Verknappung und Mangel. Wenn sich die Produktion nicht lohnt, kommt nicht genug auf den Markt. Und wer wird noch eigenes Geld in die Kapazitätserweiterung stecken, wenn er in einem unsicheren, politikabhängigen Markt mit billigem Kreditgeld konkurrieren muss, das von den Banken in immer größeren Mengen erzeugt wird und die Spekulation anheizt?

Gebranntes Kind scheut das Feuer.

Bei Milchprodukten können weltoffene Verbraucher bei künftiger Verknappung vielleicht auf preisgünstige Erzeugnisse aus Weißrussland, Mexiko oder Neuseeland ausweichen – falls es dort noch Überschüsse gibt. Milchfett scheint derzeit ja nicht nur in Europa gefragt zu sein.

Selbstversorgung ist eine Versicherung gegen Weltmarktrisiken.

Europa sollte nicht auf den Import von Protein, Fett und Ölen angewiesen sein. Der Bedarf in anderen, zahlungskräftigen Regionen der Welt wächst rasant. Unterversorgung kann plötzlich zu heftigen Preissprüngen führen. Je länger die Erzeugerpreise durch künstliches Überangebot und Geldpolitik niedrig gehalten werden, desto stärker wird der Bumerangeffekt. Energie und Rohstoffe werden nicht billiger.

Die ultimative Agrarwende: Wertschöpfung in die Betriebe zurückzuholen.

Eine Agrarwende ist sicher notwendig, aber ganz anders als von Politik und Verbrauchern gedacht:  Die Landwirtschaft braucht nicht teurere Technik und immer neue Auflagen, von denen nur die Zulieferindustrie profitiert. Die Landwirtschaft braucht Erzeugerpreise, die schneller steigen als die Kosten.

Wie soll das gehen? Vor allem durch eigene Qualitätsstandards und Vermarktung, aber auch mit einfacher, bewährter Technik zu Weltmarktpreisen. Globalisierung ist keine Einbahnstraße für den Export der deutschen Industrie.

Warum sollte Milch auch immer billiger werden? Gute Naturprodukte sind eben knapp und kostbar.

siehe auch: www.liegeboxen.de/milch-2030/