Was spräche eigentlich dagegen, die europäische Milcherzeugung an die Fläche zu binden, z. B. durch Koppelung an nachhaltige Grünlandbewirtschaftung? Einer immer größeren Milchproduktion wären damit natürliche Grenzen gesetzt. Die allgemein niedrigere Milchleistung könnte für die Erzeuger durch höhere Erlöse kompensiert, Förderung und Direktzahlungen nach einer Übergangszeit entbehrlich werden.

Überkapazitäten und Preiskrisen werden sich immer wieder entwickeln, solange kein Produktionsfaktor knapp und der Marktzugang nicht beschränkt ist. Der einzige weder ersetz- noch beliebig vermehrbare Produktionsfaktor in der Landwirtschaft ist der Boden – sogar in der Tierhaltung.

Qualitäts-, Umwelt-, oder Sozialstandards gibt es überall. Warum nicht auch in der Milcherzeugung? Warum sollte die große EU nicht eigene Standards definieren und durchsetzen können, wenn sogar die kleine Schweiz es kann?

Milcherzeuger und Verbraucher erwarten von der europäischen Politik klare Spielregeln. Mit kurzsichtiger und sprunghafter Förderpolitik ist niemandem gedient.

Staatliche Lenkung von Märkten funktioniert nicht. Interventionen zugunsten der einen oder anderen Marktseite verursachen und verschärfen Krisen und Fehlentwicklungen. Aber der Ordnungsrahmen bedarf der Gestaltung und Verbesserung!

Einfache Lösungen gibt es nicht? Mag wohl sein, aber diese Behauptung darf nicht als Ausrede für mangelnde Handlungsbereitschaft dienen. Oder als Entschuldigung für fehlende Durchsetzungschancen einer europäischen Lösung. Bei schönem Wetter wollte jeder in die EU. Jetzt wird es schwieriger, die divergierenden Kräfte zusammenzuhalten. Aber kann das Durchwursteln auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner auf Dauer die Lösung sein?

Ratlosigkeit macht sich breit, wenn jeder auf den anderen wartet. Mit Resignation wird nichts zu gewinnen sein.

Gebraucht werden mutige Vorschläge, am besten aus der Landwirtschaft. Dann müssen gute Entwürfe in der EU durchgesetzt werden. Auf geht’s!