Gute milch kostbar machen

Auf Flügen mit der Lufthansa wird ein Snack gereicht, ein Sandwich aus mehr als 50 Zutaten, unter Schutzatmosphäre verpackt. Es enthält ungefähr alles, was die Landwirtschaft zu bieten hat. Dennoch entfallen wahrscheinlich nur 5 oder 10 Prozent der Wertschöpfung auf die Rohstoffe, die die Landwirtschaft zur Verfügung gestellt hat. 90 % der Wertschöpfung bestehen in industriellen Verarbeitungsschritten und Transporten, ermöglicht durch niedrige Energiekosten.

Steigende Energiekosten schlagen natürlich auch in der landwirtschaftlichen Produktion zu Buche. Aber in erster Linie profitiert Landwirtschaft von der Gewinnung natürlicher Energie aus Boden und Sonne.

Niedrige Energiekosten sind gut für die Industrie. Steigende Energiekosten verteuern die industrielle Verarbeitung, die den Großteil der Wertschöpfung bildet.

Wir können uns heute nicht mehr vorstellen, wie kostbar Energie in vorindustriellen Zeiten gewesen sein muss. Preisgünstige Energie war die Voraussetzung für die industrielle Revolution ebenso wie für die Mechanisierung der Landwirtschaft. Billige Energie aus fossilen Quellen ist für die Industriegesellschaft bis heute unersetzbar: fossile Energieträger deckten in Deutschland 2016 noch fast 80 % des Primärenergieverbrauchs.

Trotz aller Bemühungen um Klimaschutz ist nicht erkennbar, welche Energieträger in Zukunft Erdöl, Kohle oder Erdgas ersetzen könnten. Wie soll der steigende Energiebedarf einer wachsenden Erdbevölkerung  nachhaltig gedeckt werden?

Ob mit oder ohne Energiewende: Energie kann nur wieder teurer werden. Bei steigenden Energiekosten werden auch Agrarrohstoffe kostbarer, der Produktionsfaktor Boden wird wertvoller.

Es ist nicht absehbar, wie schnell und in welchem Ausmaß die Energiepreise steigen werden. Regierungen und Notenbanken sind bemüht, ihren Wählern und der Weltwirtschaft Krisen, Einbrüche und Preisschocks zu ersparen. Wird das Unvermeidliche dadurch nur hinausgeschoben?

Es gibt noch andere Faktoren, die verknappend wirken und die Landwirtschaft vor große Herausforderungen stellen. Mit oder ohne Agrarwende wird vielerorts über abwechslungsreichere Fruchtfolgen nachgedacht werden müssen. Resistenzen, Krankheits- und Schädlingsdruck machen dem Ackerbau zu schaffen. Phosphatvorkommen gehen zur Neige, tierischer Dünger wird an Wert gewinnen.

Vielleicht wird Milch nie wieder so billig sein wie in den letzten Jahren.

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