Gute milch kostbar machen

Milch 2030 – etwas anders, aber durchaus möglich:

Den wenigen Milcherzeugern in Europa geht es 2030 bestens.

Eiweißhaltige Lebensmittel, Fleisch und Milchprodukte sind knapp und kostbar, die Städte lechzen nach Milch. Die Verarbeiter tun alles, was die Milcherzeuger wollen, wenn sie nur etwas Milch bekommen. Milchbauern geben in Politik und Wirtschaft den Ton an, überall an den entscheidenden Stellen sitzen Milcherzeuger. Chef der Europäischen Kommission und zugleich Europäischer Kommissar für Agrarangelegenheiten, Ernährung und Versorgungssicherheit ist seit zwei Jahren Romuald S., ein profilierter Milchbauer aus dem Allgäu. Sein Stabschef, Dr. Willi Kremer-S., hat die Aufgabe, das erfolgreiche Konzept der europäischen Milchbauern auf andere Zweige der europäischen Landwirtschaft zu übertragen. Die beiden verzichten auf Gehalt und arbeiten ehrenamtlich: Führen durch Vorbild heißt die Devise. Unter ihrer Führung wurden Ausgleichszahlungen und Förderung abgeschafft und der EU-Agrarhaushalt aufgelöst. Die Landwirtschaft bietet Berufsanfängern, Neueinsteigern und Existenzgründern wieder beste Perspektiven – ganz ohne Beihilfen.

Was war passiert, wie wurde das möglich?

2015 war in der Milcherzeugung die Quotenregelung ausgelaufen. Mit Förderung und billigen Krediten waren die Kapazitäten in einigen Ländern erweitert worden, so dass nun zu viel Milch auf den Markt kam. Die Preise waren unter die Herstellkosten gefallen, viele Milchbauern mussten aufgeben. Nur drei Jahre später kam die nächste Milchkrise. Nach und nach reifte die Erkenntnis, dass auf dem Weltmarkt in regelmäßigen Abständen mit desaströsen Preiskrisen zu rechnen ist. Erst nach der dritten Milchkrise war es Romuald S. 2021 endlich gelungen, die europäischen Milchbauern für eine freiwillige Selbstbeschränkung zu gewinnen. Ein Geniestreich: Die Milcherzeuger versprachen, ihre Kühe nur noch mit natürlichem Futter von eigenen Flächen zu füttern, ihre Flächen nur noch mit Dung aus dem eigenen Stall zu düngen und auf Förderung und Ausgleichszahlungen zu verzichten. Im Gegenzug verlangten sie von der Politik den Schutz ihrer Qualitätsmilch durch wirksame Zölle auf Agrarrohstoffe. Unter dem Druck der Straße – Verbraucher, Steuerzahler, liberale, grüne und populistische Parteien hatten die Milchbauern unterstützt – konnte sich Brüssel der Vernunft nicht lange verweigern. Dennoch gingen noch vier weitere Jahre ins Land, bis die notwendigen Änderungen auch von allen nationalen Parlamenten verabschiedet worden waren. Erst 2025 gab es  hohe Zölle auf die Einfuhr von Agrarrohstoffen. Die europäische Landwirtschaft begann sich zu erholen.

Kurz darauf war die große Währungskrise ausgebrochen:

Am 01.04.2026 hatte China der Welt mitgeteilt, dass es sich von allen Dollarreserven getrennt habe und keine US-Staatsanleihen mehr besaß. Offenbar hatten die Chinesen ihre einst astronomisch hohen Dollarreserven über Jahre allmählich aufgelöst und ganz diskret Goldreserven aufgebaut. Die permanente Goldpreisdrückung an den Terminmärkten hatte es ihnen und anderen asiatischen Ländern leicht gemacht, über Jahre große Mengen Gold zu günstigen Preisen zu importieren. Nun wurde der volle Umfang der chinesischen Goldreserven sichtbar: der chinesische Yuan war eine goldgedeckte Währung.

Exporteure von Rohstoffen verlangten sofort die Bezahlung in goldgedeckten Yuan, gegen Dollar oder Euro war schlagartig nichts mehr zu bekommen, weder Rohöl noch Agrarrohstoffe. Mit der Kaufkraft des Dollars ging den USA und ihrer gewaltigen Militärmaschine der Treibstoff aus; das eigene, durch Fracking geförderte Öl wurde größtenteils zur Erschließung und Förderung neuer Ölquellen mit noch schlechterem Erntefaktor gebraucht. Die USA und Europa versanken in galoppierender Inflation, die Wirtschaft brach zusammen, Arbeitslosigkeit und Versorgungskrisen breiteten sich aus. Hunger und Mangel kamen zurück nach Europa. Importzölle auf Agrarrohstoffe wurden überflüssig, weil es nichts zu importieren gab – gegen Dollar oder Euro. Die Landwirtschaft konnte nicht helfen, denn sie war völlig abhängig von Betriebsstoffen, Technik, Weltmarkt und Importen. Treibstoffe, Pflanzenschutzmittel und Kraftfutter waren unbezahlbar geworden.

Nur die Milcherzeuger hatten sich rechtzeitig aus dem Weltmarkt verabschiedet.

Milchbauern waren vorbereitet und konnten Dörfer und Städte mit Milch versorgen: die Auslieferung musste zeitweise von Bundeswehr und technischem Hilfswerk übernommen werden. In ihrer Verzweiflung drohten die Völker Europas ihren Regierungen mit Wiedereinführung der Monarchie. Die Dankbarkeit gegenüber den Milchbauern aber kannte keine Grenzen.

So war die Milcherzeugung zum Vorbild für die europäische Landwirtschaft geworden.

Die altehrwürdige DLG hatte am 01.05.2026 Konkurs angemeldet, nachdem zur Agritechnica 2026 keine einzige Standfläche mehr vermietet werden konnte. Deutsche Landtechnik wurde inzwischen nur noch in China hergestellt, geprüft und verkauft. Die Chinesen hatten deshalb darauf bestanden, EuroTier und Agritechnica ab 2026 nur noch in Shanghai abzuhalten. Fachzeitschriften sollten, mit Rücksicht auf die Anzeigenkunden, nur noch auf Chinesisch erscheinen. Für die europäischen Landwirte waren Flugtickets aber unerschwinglich geworden. Ausserdem hatten sie entdeckt, dass man sich im Netz sehr viel kostengünstiger informieren kann, rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr. Und zum Fachsimpeln konnte man sich auch bei www.bauerwilli.com treffen. Die Aufgaben von DLG und Bauernverband hatte 2027 der neugegründete Bund freier Bauern und Selbstversorger übernommen. Zum ersten Präsidenten dieser schlagkräftigen Organisation war ein gewisser Alois W. gewählt worden. –

Vielleicht wird Milch 2030 auch ganz anders, aber alle anderen Szenarien sind mindestens genauso unwahrscheinlich.

siehe auch: www.bauerwilli.com

Hier die Fortsetzung lesen: www.liegeboxen.de/milch-2030-immer-mehr-milchbauern/