In den Niederlanden wurde das Ende der Milchquote als Chance begriffen. Viele Betriebe haben neue Ställe gebaut und aufgestockt.   Die Rechnung könnte aufgehen, wenn da nicht neue Probleme mit Emissionen wären.

Auf der Suche nach innovativen Laufgangkonzepten habe ich einige Betriebe in den Niederlanden besucht. Die Auswahl war zufällig, es sollten nur neue Betriebe mit interessanten Laufgangsystemen sein. Im dicht besiedelten Nachbarland mit intensiver Viehhaltung hat die Vermeidung von Emissionen herausragende Bedeutung. Mit neuen Systemen für Entmistung und Laufgänge sollten vor allem Ammoniakemissionen reduziert werden.

Alle vier besuchten  Betriebe hatten zwischen 2012 und 2014 neue Ställe gebaut, die Herden aufgestockt und die Milchproduktion nach Ende der Milchquote um 50 – 100 % gesteigert. Bei den Investitionsentscheidungen spielte die staatliche Förderung keine Rolle, aber Molkereien und Banken haben die unternehmerischen Konzepte unterstützt. Je nach Verarbeiter liegen die Auszahlungspreise aktuell zwischen 32 und 40 Cent, damit können die Betriebe leben.

Ohne emissionsmindernde Laufganggestaltung gibt es keine Baugenehmigung, für besonders tiergerechte Haltungsysteme nach dem Maatlat-Programm gibt es steuerliche Erleichterungen durch besonders günstige Abschreibungsmöglichkeiten. Tiergesundheit und Kuhkomfort stehen beim Stallbau im Vordergrund, daran wird nicht gespart.

Alle vier Betriebe hatten Tiefbuchten mit Substrat aus Gülleseparierung (2), Sand (1) oder Kalkstrohmatratze (1).

Drei Betriebe hatten perforierte Laufgänge mit entweder minimalem Schlitzanteil (nur noch ca. 5 % der Fläche offen), vermindertem Schlitzanteil mit Ventilklappen in den Schlitzen und höherer Auftrittsbreite (25 cm) oder auch Greenfloor-Auflage auf den Spalten, Entmistung immer durch Roboter.

Der Betrieb mit Sandbetten hatte planbefestigte Laufgänge mit Gummiauflage und Seilzugschieber. Der Mehraufwand für besonders tiergerechte Systeme wie Sand oder Greenfloor wird durch gute Erlöse (40 Cent) oder auch Imagegewinn gerechtfertigt und bezahlt; einer dieser Betriebe hat viel Publikumsverkehr durch einen angeschlossenen Campingplatz mit 15.000 Besuchern im Jahr.

Die unternehmerische Professionalität dieser Betriebe ist beeindruckend, für sie wird die Rechnung aufgehen. Betriebswirtschaftlich mag es auch sinnvoll sein, einen Hundert-Hektar-Betrieb von 120 auf 240 Kühe aufzustocken. Auf der makroökonomischen Ebene werden Nährstoffimporte und Nährstoffbilanzen aber immer problematischer.

Als Folge der stark gestiegenen Milcherzeugung beginnen in den Niederlanden jetzt die  Phosphatemissionen aus dem Ruder zu laufen. Phosphat ist ein knapper und wertvoller Dünger, aber in der Gülle ist zu viel davon. Rückgewinnung wäre möglich, aber aufwendig. Der Aufwand für die Beseitigung von Abfall, Überschüssen und Nebenwirkungen wird größer und größer: die Kosten der Verschwendung von Energie und Ressourcen.

Ein Wachstumszyklus geht zu Ende, wenn Aufwand, Mengen und Umsätze schneller steigen als der Ertrag. Alle drehen ein immer größeres Rad, aber es bleibt immer weniger übrig. Der Aufwand wird zu groß, die Sache wird unwirtschaftlich und unsinnig. Auch in den Niederlanden stoßen Futtermittelimporte auf wachsende Ablehnung.

Betrieb mit Sandbetten: www.facebook.com/velshoeve/

Betrieb mit Greenfloor und Campingplatz: www.melkveebedrijfzandman.nl