In der Stalltechnik bestehen Qualitätskriterien vor allem aus DLG-Test und Herstellergarantie. Mit der Zahl der getesteten Produkte ist auch das Risiko unseriöser Produktanmeldungen gestiegen. Eine unabhängige Prüfstelle wie die DLG kann Funktion und Haltbarkeit nur anhand von einzelnen Mustern und Betrieben überprüfen. Wenn Hersteller in der Folge Verfahren, Inhaltsstoffe oder Rezepturen ändern, bleibt das nicht ohne Einfluss auf die Produkteigenschaften. Herstellerangaben zu Verschleißeigenschaften oder Inhaltsstoffen sind oft rar oder wenig aussagekräftig und infolgedessen auch kaum überprüfbar.

Viele Stalltechnik-Komponenten unterliegen starker Belastung und müssen sehr lange halten. Für manche Produkte wie z. B. Stallmatten wurde deshalb von den Herstellern eine Haltbarkeit von mindestens zehn Jahren garantiert. Komplexe Systeme bestehen oft aus mehreren Komponenten und Werkstoffen mit unterschiedlichen Verschleißeigenschaften. Mit zunehmender Komplexizität wird es schwieriger, eine einheitliche, pauschale Haltbarkeit zu garantieren. Natürlicher Verschleiß tritt auch schon während der Garantiezeit auf, darf aber keinen Einfluss auf die einwandfreie Funktion des Systems haben.

Beispiel: Eine geringe Ermattung des Rückstellvermögens bei Schaumstoffunterlagen macht die Liegefläche zwar etwas härter, muss aber nicht zwangsläufig zu Kuhlen und Pfützen auf der Oberfläche führen. Wellenbildung oder Pfützen im Oberbelag hingegen beeinträchtigen die Funktion, weil sie Gelenkverletzungen begünstigen und zu einer weiteren Schädigung des Systems führen.

Mit der Garantieerklärung übernimmt der Hersteller die Verantwortung für die einwandfreie Funktion während der Garantiezeit. Ob tatsächlich ein Garantiefall vorliegt, muss im Einzelfall geklärt werden.

Die im DLG-Test ermittelten Produkteigenschaften sind im Praxiseinsatz kaum oder nur mit hohem Aufwand zu überprüfen, da in den Tests oft DLG-eigene Prüfmethoden und -Geräte verwendet werden. Den Nachweis der Rutschfestigkeit von Laufgangbelägen nach DLG-Prüfmethode kann beispielsweise nur die DLG-Prüfstelle erbringen. Es gibt sicher gute Gründe für anwendungsspezifische Prüfmethoden, aber allgemein übliche Normen oder Prüfmethoden sind leichter überprüfbar.

Die Reißfestigkeit von Deckbahnen z. B. sieht ganz anders aus, wenn die in der Textilindustrie üblichen Prüfnormen anstelle der von der DLG entwickelten Prüfmethode zu Grunde gelegt werden. Bei Kuhmatratzen und Weichbetten ist die Reißfestigkeit der Deckbahn ein wesentliches Qualitätskriterium.

Bei Liegeboxbelägen werden im DLG-Test auch die Tarsalgelenke in Praxisbetrieben bonitiert. Warum eigentlich, wenn doch vor allem Bewirtschaftung und Einstreu für die Gelenkgesundheit verantwortlich sind und diese und andere Prüfbedingungen von Betrieb zu Betrieb ganz unterschiedlich ausfallen? Eigentlich dürften hier nur nicht eingestreute Beläge und ihre Oberflächenstruktur untersucht und miteinander verglichen werden. Nach der bisherigen Prüfmethodik wird eher die Qualität der Bewirtschaftung ermittelt als die Qualität eines Belages.

Je komplexer die Technik, desto wichtiger werden klare Prüfmethoden und Spezifikationen. Einheitliche Standards und industrieübliche Normen erleichtern die Qualitätsüberwachung, ebenso wie definierte, normierte Prüfkriterien wie z. B. Stauchhärte, Verformbarkeit oder Rückstellvermögen.

Hinsichtlich der Inhaltsstoffe ist zu fragen, welchen Wert eine Unbedenklichkeitserklärung eines Anbieters hat, der die gleichbleibende Zusammensetzung seines Produktes weder messen noch spezifizieren kann?

Qualitätskriterien und DLG-Prüfkriterien sollten auch Spezifikationen und normierte Prüfmethodik beinhalten. Es würde den Wert des DLG-Testsiegels erhöhen. Weiche Prüfkriterien sind vielleicht gut fürs Geschäft, trennen aber nicht die Spreu vom Weizen.

siehe auch www.dlg-test.de