Vor fünfzehn Jahren war die Welt für Hersteller von Stalltechnik noch in Ordnung: Die Erzeugerpreise passten, das Geschäft brummte, es konnte nur aufwärts gehen. In immer kürzeren Abständen wurden neue, größere und komfortablere Ställe gebaut, in Osteuropa gab es neue Märkte. Alle stürzten sich in die Globalisierung.

Früher hatten viele Stalltechnik-Hersteller regionale oder produktspezifische Alleinstellungsmerkmale. Durch Nachahmer und internationalen Wettbewerb wurden Unterschiede abgeschliffen und Leistungen vergleichbarer. Kleinen oder mittelständischen Herstellern ist es oft nicht möglich, Erfindungen und geistiges Eigentum durch weltweite Patente wirksam zu schützen. Interessante Entwicklungen werden sehr schnell kopiert, Pioniergewinne sind oft nicht mehr erzielbar. Besonders schwer haben es produktionsorientierte Unternehmen, die nur einen Werkstoff oder eine Technologie beherrschen. Spitzenqualität bietet keine Gewähr gegen Marktanteilsverluste. Marktführerschaft muss durch Kostenführerschaft abgesichert werden. In reifen Märkten gewinnen kostengünstige Standardlösungen an Bedeutung. Der Verdrängungswettbewerb wird mit  Nachahmerprodukten ausgetragen, die von vielen Herstellern in vergleichbarer Qualität angeboten werden.

Starke Marken helfen, aber Innovationen, Qualitätssicherung und Marketing bedeuten Aufwand. Das Geld dafür muss am Markt verdient werden. In schwierigen Zeiten wird der Werbeaufwand gesenkt. Besonders betroffen davon ist die Printwerbung, Fachverlage können ein Lied davon singen. Veraltete Vertriebsstrukturen kommen auf den Prüfstand, alles muss einfacher und direkter werden. Eine Abwärtsspirale?

Andere begreifen die Veränderung als Chance und werden zu innovativen Systemanbietern, die Komponenten irgendwo in der Welt nach eigener Spezifikation fertigen lassen. Die Entwicklungs- kompetenz verschiebt sich von spezialisierten Herstellern zu Systemanbietern, die nur das selbst herstellen, was sie nicht günstiger einkaufen können.

Das Internet revolutioniert Vertriebsstrukturen und bietet auch für Stalltechnik neue, effiziente Marketing- und Einkaufsmöglichkeiten.

Mit der Internationalisierung des Einkaufs werden Qualitätsstandards, Normen und Grenzwerte immer wichtiger.

Auf einem irischen Betrieb wurden 2011 bei einer Routinekontrolle Spuren von Dioxin in der Milch gefunden.  Nach fünfjähriger Untersuchung wurde 2016 die Schadstoffquelle bekannt: Liegematten ungewisser Herkunft, die eine giftige Brandschutzchemikalie enthielten. Landwirte, Handel und Berater können weder Ursprung noch Schadstoffgehalte solcher Produkte erkennen.

Die Verantwortung liegt bei Industrie und Importeuren, die dieses Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten. Man stelle sich die öffentliche Hysterie vor, wenn dergleichen in Deutschland passieren würde. PAK oder Dioxin in der Milch wären der Supergau für Milcherzeuger und Zulieferer.

Die europäische Industrie sollte dringend Qualitätsstandards in Form von Spezifikationen und Grenzwerten auch für Liegematten und ähnliche Nischenprodukte vorlegen. Nur mit überprüfbaren Spezifikationen kann man im Weltmarkt die Spreu vom Weizen trennen. Spezifikationen und Grenzwerte sollten verbindlicher Bestandteil von DLG-Tests werden.

siehe auch: www.cowstalls.com/editorial/quality-standards-risks-international-markets/