Kraftstoffe haben 2017 mit steigendem Verkehrsaufkommen überproportional zum Wachstum des Energieverbrauchs beigetragen. Wir spannen nicht nur 150 Pferde ein, um zum Skifahren für ein paar Tage in die Berge zu fahren. Wir lassen uns auch täglich frische Alpenmilch an die Nordseeküste bringen.

LKW-Fahrer verdienen im Schnitt so um die 28.000 Euro im Jahr. Ein Hauhalt mit zwei Kindern zahlt aus diesem Bruttogehalt ca. 3.150 Euro Lohnsteuer und ca. 5.700 Euro Lohnnebenkosten, bleiben netto ca. 19.150 Euro. Der Arbeitgeber zahlt weitere 5.700 Euro Lohnnebenkosten. Mit seiner Arbeit trägt ein Berufskraftfahrer also jedes Jahr etwa 14.500 Euro zur Finanzierung des Sozialstaats bei.

Wenn die Lohnsteuer für niedrige Einkommen gestrichen würde, hätte er jedes Jahr 3.150 Euro mehr in der Tasche. Der Staat könnte sich mit einer geringen Erhöhung der Mineralölsteuer schadlos halten.

Ein Sattelzug legt im Jahr durchschnittlich 100.000 km zurück und verbraucht dabei ca. 30.000 l Diesel. Bei einem Dieselpreis von 1,15 Euro / l und einem Steueranteil von ca. 55 % trägt ein LKW also schon heute pro Jahr rund 19.000 Euro zur Finanzierung des Staatshaushaltes bei –  ohne Maut und KFZ-Steuer.

Auch die Renten-, Arbeits- und Krankenversicherung könnte komplett aus Energiesteuern finanziert werden.   Spediteure würden dann pro Fahrer 11.400 Euro Lohnnebenkosten sparen, müssten aber pro LKW bei gleicher Fahrleistung ca. 14.550 Euro mehr für Diesel zahlen. Milchtourismus würde teurer, regionale Verarbeitung und Vermarktung interessanter.

Was hätte es wohl für Auswirkungen auf Konsumverhalten und Energieverbrauch, wenn der Sozialstaat zu hundert Prozent aus Energiesteuern finanziert würde? Auch die Mehrwertsteuer könnte durch eine Steuer auf Primärenergie ersetzt werden. Primärenergie wird zu 75 Prozent importiert.

Solche Überlegungen sind weder neu noch originell. Vor dreißig Jahren hielt man Reformen noch für notwendig, heute lockt man damit kaum jemand hinter dem Ofen hervor. Ein zeitgemäßes, nachhaltiges Steuersystem könnte es längst geben. Es wäre nötiger denn je.

Warum aber etwas ändern, solange alles gut läuft und das Erdöl sprudelt?

Eine nachhaltigere Lebens- und Wirtschaftsweise wäre möglich, wenn man sie denn wollte. Aber wer will sie schon? Es finden sich immer Mehrheiten für Steuererhöhungen, aber niemals für eine Steuerreform.

Auch eine neue Groko wird nur kosmetische Politik betreiben: mehr Steuern auf Diesel, vielleicht eine Abgabe auf Gülle oder eine europaweite Plastiksteuer, wie jüngst von EU-Kommissar Oettinger ins Gespräch gebracht? Bürokratischer Unsinn mit Placeboeffekt, viel Lärm um nichts. Die Behandlung einzelner Symptome soll von der eigentlichen Krankheitsursache ablenken: dem unhaltbar hohen Energie- und Ressourcenverbrauch der Industrieländer.