Im niedersächsischen Landtagswahlkampf war das Tierwohl ein Wahlkampfthema. Die Politik bedient damit vor allem Verbraucher und landwirtschaftsferne Wählerschichten.

Bei Landwirten ist das Thema besser aufgehoben, denn Tierhalter verstehen etwas davon. Im Boxenlaufstall dienen dem Tierwohl längst nicht mehr nur Futter- und Wasserversorgung, sondern auch gut eingestreute Liegeflächen, trockene Laufgänge, Stallklima und Kuhkomfort. Für den Tierhalter zahlt sich das aus: gesunde Kühe geben ihr Bestes.

Muss die Politik hier noch etwas regeln? Oder geht es gar nicht um das Wohl der Tiere sondern um das gute Gefühl von Verbrauchern, die mit reinem Gewissen tierische Produkte genießen möchten? Dann können sich die Marketingabteilungen der Verarbeiter damit auseinandersetzen. Welchen Beitrag kann die Politik überhaupt leisten?

Haben sich sachfremde Interessen des Themas bemächtigt?

Wohin gut gemeinte, aber sachfremde und zumeist kurzsichtige Regulierung oder Förderung führt, lässt sich an unzähligen Beispielen zeigen.

In den Niederlanden gab es in der Vergangenheit Vergünstigungen für Investitionen in besonders weiche Liegeflächen. Hochboxen sollten in voller Tiefe von 180 oder 190 cm sehr weich gepolstert sein. Weiche Polsterung auch auf den hinteren 50 cm der Liegebox kann zwar nicht die Einstreu ersetzen. Sie dient auch nicht dem Tierwohl. Sie macht die technische Lösung aber verschleißanfälliger und erfordert eine besondere Art von Kuhmatratzen, die ein bestimmter Anbieter verkaufen wollte. Zufällig saß dessen Vertreter auch in dem Ausschus, der die Förderkriterien beschlossen hatte. Wenn es Lobbyismus sogar in Nischenmärkten gibt – wie muss es dann erst in der Auto-, Energie- oder Sozialindustrie zugehen?

Sachfremde Förderkriterien sind das Ergebnis von geschäftlichen und politischen Interessen.

Für Landwirte bilden neue Auflagen und Vorschriften vor allem neue Probleme. Es findet sich immer schnell eine Industrie, die technische Lösungen für neue Probleme anbietet. Für den Tierhalter sind neue Auflagen und Vorschriften dann nur noch zusätzlicher Aufwand, für die Industrie zusätzliches Geschäft. Wenn sich Geschäftsinteresse und politisches Interesse verbinden, bleibt Sachverstand auf der Strecke – auch beim Tierwohl.

Die Politik sucht sich immer neue Aufgaben. Seit 50 Jahren werden immer mehr Lebensbereiche politisiert und reguliert. Die bürgerlichen Parteien setzen dem nichts mehr entgegen, sie sind selbst dem Interventionismus verfallen. Vielleicht ist auch das ein Grund für die wachsende Politikverdrossenheit?

Milchviehhalter sollten das Thema Tierwohl weder der Politik noch der Industrie überlassen. Wenn neue Auflagen durch Fördermittel versüßt werden, müssen damit zusätzlicher Aufwand oder neue technische Lösungen bezahlt werden. Kühen und Milchviehhaltern ist mit höheren Milchpreisen besser gedient. Milcherzeuger wissen selbst am besten, wie sie zum Wohle des Tieres investieren müssen. Auch hier ist staatliche Investitionslenkung überflüssig. Von Regulierung und Intervention profitieren alle möglichen Interessengruppen, aber nicht Kühe und Landwirte.