Europa sendet seit Jahren das falsche Signal aus: Wer sich auf Kosten anderer bedient und Schulden macht, kommt damit durch. Wer es nicht tut, ist der Dumme.

Mit der sinkenden Milchanlieferung könnten sich die Milchpreise allmählich etwas erholen. Sind wir damit aus dem Schneider? Wohl kaum! Das grundsätzliche Problem bleibt: Der Hahn kann jederzeit wieder aufgedreht und die Milchproduktion beliebig gesteigert werden.

Wir wollen gute Europäer sein und nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Ich mag unsere Nachbarn. Ganz besonders die Iren und die Niederländer schätze ich sehr, sie sind risikofreudige Unternehmer und hervorragende Milcherzeuger. Aber muss ich mich von Freunden über den Löffel balbieren lassen?

Nach Fortfall der Milchquote sind die Milchanlieferungen 2015 fast überall in Europa gestiegen, zweistellig allerdings nur in Irland und den Niederlanden. Das lässt vermuten, dass sich die Milcherzeuger in diesen Ländern auf das Ende der Quote mehr als andere vorbereitet und die Kapazitäten hochgefahren hatten. Das ist zunächst einmal ihr gutes Recht und zeugt von hoher Risikobereitschaft.

2016 sind die Milchanlieferungen nun überall rückläufig, nur in zwei Ländern steigen sie weiter zweistellig: in Irland und in den Niederlanden. Wer in den letzten Jahren in Kapazitätserweiterung investiert hat, kann jetzt nicht mal eben die Produktion absenken: Menge ist nötig, um hohe Fixkosten und Schulden zu bedienen.

Risikofreude und Tüchtigkeit der irischen und niederländischen Unternehmer sind indessen nur die halbe Wahrheit. Hinsichtlich der privaten Verschuldung belegen die Niederlande in Europa einen Spitzenplatz. Die Iren sind auch keine Kostverächter, wenn billiges Geld zu haben ist.

Ohne nationale Förderung und billiges Geld der EZB gäbe es weder Überkapazitäten noch Milchschwemme. Man kann Iren und Niederländern keinen Vorwurf daraus machen, dass sie hier zugegriffen haben.

Ärgerlich ist aber, dass alle anderen durch die Beteiligung an der EZB für die europäische Schuldenorgie haften. Das Risiko niederländischer oder irischer Banken landet damit zu einem großen Teil auch beim deutschen Steuerzahler, ebenso wie die Kosten neuer Ausgleichszahlungen.

Dass mit Förderprogrammen und europäischem Geld nationale Interessen verfolgt werden, ist ebenfalls sehr ärgerlich.

Der Verdrängungswettbewerb um nationale Marktanteile am europäischen Milchmarkt ist ein Ergebnis europäischer Geld- und Förderpolitik. Hier ist ein altbekannter Spaltpilz am Werke. Sein Name ist Eurosozialismus.