Der Heuwagen

Ohne Bauern gerät der Heuwagen auf Abwege.

Alle wollen an das Heu, jeder will nach oben und Spaß haben, ganz oben kann man die Fahrt genießen. Das Heu ist noch nicht in der Scheune, das Überleben nicht gesichert, da streiten Verbraucher schon um die Verteilung. Der Karren steuert auf die Hölle zu. Man sieht allerlei unnützes Volk. Aber wo sind die Bauern, die das Heu gemacht und so ordentlich geladen haben?

Verbraucher drängen zur Leiter, einige haben es nach oben geschafft. Fern der Realität liegt eine Spaßgesellschaft auf dem Heuwagen, nicht gestört von Schlaglöchern, Straßenlärm, Gestank und dem Gezänk des niederen Volkes. Hier könnte man Weitblick haben, aber man amüsiert sich und redet über den Klimawandel. Wohin die Fahrt geht, kümmert hier keinen.

Das Rad ist erfunden, der Fortschritt nimmt Fahrt auf. Keiner weiß, wo es langgeht. Ein Haufen Leute an der Deichsel, seltsame Gestalten, von finsteren Leidenschaften getrieben. Gewiss keine Bauern, eher Politiker. Hinter dem Wagen Zukurzgekommene, die dem Fortschritt hinterherhinken. Aber auch edle Herren und Kirchenfürsten, die dem Heuwagen folgen. Wo es hingeht, wissen die auch nicht: der Heuwagen verstellt den Blick nach vorne, sie sehen nichts als Heu.

Einige sind schon unter die Räder geraten: zwischen den Rädern ein paar Leute mit einer Heugabel – Fachleute! Etwa die Bauern, denen man den Erntewagen entwendet hat? Sie werden auch gleich unter die Räder kommen.

Ein riesiges Durcheinander, völlig irre. Alle raufen sich um die Ernte, als wenn es kein morgen gäbe. Ein Bild der Gesellschaft, genau wie heute. Der Bauer betrachtet das Bild, blickt in den Himmel und denkt:

Leute, runter vom Wagen und an die Arbeit! Das Heu muß in die Scheune, es wird wohl bald regnen.

Der Bauer schüttelt den Kopf: Wie will so eine Bande überleben?  Das kann kein gutes Ende nehmen: überall nur Verbraucher, Nehmer, Habenichtse, Halunken und Verrückte. Die machen ihre Politik und leben auf Kosten anderer. Die wissen weder woher noch wohin. Da fehlt es doch an allem, vor allem an Eigentum und Verantwortung. So sieht es eben aus, wenn der Bauer unter die Räder kommt: keine Tradition, keine Moral, kein Respekt, keine Kultur.

Von nichts kommt nichts. Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. Wo gehobelt wird, fallen Späne.

Die alten Sprüche haben ausgedient. Alle sollen nur noch konsumieren und Schulden machen, damit die Wirtschaft brummt. Aber bitte ohne Lärm, Dreck, Staub und Gifte: die Herren und Damen Verbraucher auf dem Heu möchten sich wohlfühlen und nicht belästigt werden, Insekten und Wölfe dürfen nicht gestört werden. Hauptsache, der Heuwagen rollt, wohin auch immer.

Der Bauer kratzt sich am Ohr. Wie soll das gehen? Glauben die wirklich, dass man ohne Vorräte durch den Winter kommen kann? Dass man ohne Arbeit und Mühe auf leichte Art Geld wie Heu machen kann? Die werden alle immer verückter! Ich muß nur sehen, dass ich nicht unter die Räder komme.

Verbraucher: Rückfall in eine räuberische Lebensweise?

In Siebenbürgen gab es freie Bauern seit 800 Jahren. Nach dem Ende des Kommunismus blieben nur einige Alte in den Dörfern. Es tat ihnen weh, dass Land ihrer Vorfahren nicht mehr bestellen zu können. Ihre stolze Kultur hatte Tataren, Mongolen, Türken und den Kommunismus überlebt, dann hat sie der Heuwagen überrollt.

Zu ihrer Welt gehörten immer auch Diebe und Zigeuner, mit denen konnte man umgehen. Gegen Plünderer, Brandschatzer, Steuereintreiber und Räuber konnte man sich in festen Kirchenburgen zur Wehr setzen. Gegen den Kommunismus halfen Dorfgemeinschaft und Kirche. Das Wort „Verbraucher“ war dort nicht geläufig, man hätte es vermutlich für ein Schimpfwort gehalten.

Es ging immer ums Überleben: Früher musste Urwald gerodet und das tägliche Brot gesichert werden, später musste man sich der Plünderer und Plagegeister erwehren.

Heute muss ein anderes Feld bestellt werden.

Es müssen Menschen nachwachsen, die die Erde bestellen und dem Leben dienen. Bauern, die einspringen, wenn eines Tages der Spaß aufhört und das Leben wieder zum Ernstfall wird.

Dann muß es Bauern geben, die die Führung an der Deichsel übernehmen können: Menschen, die nicht nur raffen, ernten und verteilen, sondern säen, pflanzen, hüten und sorgen. Sonst bleibt der Karren auf dem Holzweg und rumpelt irgendwann in den Sumpf. Niemand arbeitet so sehr für das Leben wie der Bauer. Wer könnte die Menschenherde zur Vernunft und durch den nächsten Winter bringen, wenn nicht der Bauer?

Bauern werden überleben, wenn das ganze unnütze Volk zur Hölle fährt.

 

Deshalb bitte weitermanchen, lieber Willi:                        http://bauerwilli.com/verbieten-sofort-weltweit/

und über den Heuwagen:                                        https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Heuwagen

… und passend zur Agritechnica noch einmal:      www.liegeboxen.de/landwirtschaft-2030-unter-der-oberflaeche/