Die monatlichen DLG-Mitteilungen sind immer lesenswert und anregend. Zwar distanziert sich Christian Bickert in seinem Kommentar in der Märzausgabe von den „abgedroschenen Parolen der Berliner Demonstranten“ – gemeint ist die Demo „Wir haben es satt“ – aber so richtig überzeugende eigene Vorschläge für die Zukunft der Landwirtschaft hat die DLG auch nicht zu bieten.

Vielleicht sollte man sich lieber mit den Kritikern der industriellen Landwirtschaft an einen Tisch setzen und nach einem gemeinsamen Ansatz suchen?

Dem stehen wohl eher Weltmarkt- und Exportorientierung der DLG im Wege als die vermeintlichen Parolen der Kritiker.

Den DLG-Mitteilungen entströmt der Duft der großen, weiten Welt der Industrie.

„Aber keine Panik, die Zinsen bleiben noch eine Weile niedrig.“

schreibt Markus Oberg unter der Überschrift „Panik an den Börsen“. Müssten sich Landwirte nicht eigentlich freuen, wenn die Zinsen endlich mal wieder steigen? Oder steckt die Landwirtschaft in der Schuldenfalle? Muß man auf Wertsteigerungen spekulieren, weil sich Investitionen nicht mehr rechnen? Für die Börsenspekulation der Finanzindustrie mögen steigende Zinsen Gift sein, für Sparer und Landwirte wären sie ein Segen.

Billiges Geld führt weltweit zu Fehlallokationen, Überkapazitäten und niedrigen Rohstoffpreisen. Das billige Geld verdirbt die Weltmarktpreise; ermöglicht Landraub und begünstigt die Finanzindustrie. Landwirte sollten eher wegen zu niedriger als wegen zu hoher Zinsen in Panik geraten.

Und warum muß man Landwirten überhaupt „Anlageprodukte“ der Finanzindustrie vorstellen oder empfehlen? Sollten erfolgreiche Landwirte nicht lieber in den eigenen Betrieb oder in Grunderwerb investieren?

Schuster, bleib bei Deinem Leisten!

Ob „unternehmerisches Feintuning“ nach Empfehlung der DLG ausreichen wird, die nächste Milchpreiskrise zu überstehen? Da ziehen schon wieder dunkle Wolken am Himmel auf – und wieder ist die zu stark steigende Milchproduktion in der EU der Grund für den Verfall der Weltmarktpreise.

Ja, wenn man Landwirtschaft nach industriellen Methoden betreibt, gelten eben die Gesetze industrieller Erzeugung:

Bei commodities entsteht immer ein strukturelles Überangebot, wenn genug billiges Geld und billige Energie zur Verfügung stehen.

Commodities sind im Unterschied zu Spezialitäten solche Produkte oder Rohstoffe, die von zahlreichen Anbietern in vergleichbarer oder einheitlicher Qualität hergestellt werden.

Gegen Vergleichbarkeit und Weltmarktdumping hilft bei Agrarprodukten und -Rohstoffen nur eines:

Qualität = Herkunft

Wenn die Qualität der Milch nicht mehr von der regionalen Vegetation, sondern von Importsoja bestimmt wird, kann man solche Milch sicher billiger in China oder Südamerika produzieren. Einzigartig und kostbar wird Milch durch das Futter, das auf der begrenzten, eigenen Fläche wächst.

„Aber jetzt sollten wir die Erfolgsgeschichten über Landwirtschaft erzählen…“

meint Christian Bickert am Ende seiner Kolumne. Wenn da nur nicht diese Woche dieses verflixte Urteil gewesen wäre, das der Öffentlichkeit schon wieder die industrielle Tierhaltung in einer Schweinemastanlage mit 60.000 Tieren in Erinnerung gerufen hat… Da hat auch die Öffentlichkeitsarbeit der DLG-Mitteilungen keine Chance.