Landesweite Ernteausfälle oder Mißernten durch extreme Wettereignisse, Dürre oder Nässe führten früher unweigerlich zu Teuerung, Hunger, Not und Auswanderung. Mehr als 80 % der Bevölkerung arbeiteten in Feld, Stall und Garten um zu überleben. Wenn es nicht genug oder zu oft regnete, konnte man nur auf Vorräte zurückgreifen, die in guten Jahren angelegt werden mussten.

Heute bedeutet Dürre für den Großteil der Bevölkerung nur, dass man unter der Hitze leidet und Klimaanlagen braucht. Ärgerlich wird es, wenn Badeseen wegen schlechter Wasserqualität geschlossen werden. Oder wenn die lästigen Bauern wieder einmal jammern und Hilfe fordern, weil auf Feldern und Wiesen nichts mehr wächst.

Im Erdölzeitalter wird die Energie für das tägliche Leben nicht mehr von der Landwirtschaft bereitgestellt.

Ein sorglos hoher Lebensstandard ist möglich geworden, weil die Menschheit die Vorräte des Planeten angezapft hat. Die in vielen Millionen Jahren entstandenen Energievorräte der Erde werden in wenigen Jahrzehnten verbrannt. Der Energieverbrauch der Industriegesellschaft wird zu 80 % aus fossilen Quellen gespeist, die durch erneuerbare Energien nie und nimmer ersetzt werden können, zumal der Energieverbrauch weiter wächst: Sieben Milliarden Menschen streben nach westlichem Lebensstandard und dem damit verbundenen Energieverbrauch.

In der Industriegesellschaft lebt nur noch ein verschwindend geringer Prozentsatz der Bevölkerung von landwirtschaftlicher Tätigkeit. 100 % der Bevölkerung leben – auf hohem Niveau und sozial abgesichert – von der Verbrennung von Erdöl, Erdgas und Kohle. Das ist in nur drei Generationen so selbstverständlich geworden, dass man Vorräte und Zukunftsvorsorge nicht mehr für nötig hält. Vor Teuerung und Not schützt uns der Weltmarkt. Wenn bei uns wegen Dürre kein frisches Gemüse mehr wächst, können wir es aus Afrika oder China einfliegen.

Das Gejammer der Bauern stört die Spaßgesellschaft, die das anhaltende Badewetter genießen möchte.

Die große Mehrheit freut sich über eine gute Solarstromernte und auf ein goldenes Zeitalter der Elektromobilität, ohne Abgase und chemischen Pflanzenschutz! Die Mehrheit möchte Ökostrom für ihr Elektroauto. Den Milchbauern mag das Futter ausgehen, aber wo kämen wir hin, wenn die Biogasanlagen mangels Biomasse keinen Ökostrom mehr liefern könnten? Sollen doch die Bauern ihr Grundfutter oder Biomasse auf dem Weltmarkt einkaufen! Oder notfalls gleich Wasser und Beregnungsanlagen… Wer Milch nach China liefern will, kann doch auch Betriebsmittel und Technik in China einkaufen. Oder gleich in China Milch erzeugen!

Die technikverwöhnte Industriegesellschaft sonnt sich in ihrem eigenen Erfolg, dessen Ursache sie vergessen hat.   Sie feiert die Verbrennung von Vorräten und Substanz und möchte dabei nicht von lästigen Bauern gestört werden.

Im Erdölzeitalter sterben die Bauern aus.

Irgendwann nach der Steinzeit wurde Landwirtschaft unentbehrlich für das Überleben einer wachsenden Weltbevölkerung. Aber mit Dampfmaschine und der Verbrennung von Kohle und Erdöl kam der Fortschritt erst richtig in Gang. Brennstoffvorräte zu verfeuern ist leichter und angenehmer, als der Natur mit harter Arbeit das tägliche Brot abzuringen.

Zur jahrhundertealten Mentalität des Bauern passt das gar nicht. Der Bauer legt lieber eigene Vorräte an, als anderer Leute Vorräte zu plündern. Er gewinnt Energie und baut Substanz auf, statt sie zu verzehren. Er will seinen Kindern das eigene Land in einem noch besseren Zustand hinterlassen, als er es von seinen Vorfahren übernommen hat.

In der heutigen Welt ticken die Menschen anders, sie wollen ihr Dasein genießen, ohne an gestern oder morgen denken zu müssen. Die Bauern selbst wollen und können nicht begreifen, dass sie in der Industriegesellschaft zu einer aussterbenden Randgruppe werden.

Haben sich die Bauern ihr eigenes Grab geschaufelt?

Natürlich sind auch die Bauern den Verheißungen des Industriezeitalters erlegen. Sie haben die Geschichte vom Fortschritt durch Technik, Mechanisierung und Globalisierung gerne geglaubt, sie sind ja auch nur Menschen. Sie haben gerne geglaubt, dass sich für immer neue Probleme immer neue – technische – Lösungen finden lassen werden. Sie haben sich gerne als Vorreiter des technischen Fortschritts gefühlt – und sich damit selbst überflüssig gemacht.

Was aber, wenn sich herausstellen sollte, dass die Lösungen von gestern die Probleme von heute sind? Und dass wir mit den Lösungen von heute nur noch größere Probleme in der Zukunft schaffen? Dass es für alle besser sein könnte, etwas bescheidener zu leben und der Natur ihren Lauf zu lassen, statt sie durch anhaltende Plünderung herauszufordern?

Die Dürre erinnert daran, dass die Natur mächtiger ist als der Mensch und seine armselige Technik. Heute wollen das auch viele Bauern nicht mehr wissen.

Der Ruf nach dem Staat war der nächste Fehler.

Auch die Bauern wollten ein Stück vom Wohlfahrtskuchen. Sie sind der Politik auf den Leim gegangen und deshalb heute zu hundert Prozent abhängig vom Staat und von politischen Mehrheiten. Warum sollte eine politische Mehrheit einer aussterbenden Minderheit immer neues Geld nachwerfen?

Wenn es nicht gelingt, sich mit vereinten Kräften aus der Abhängigkeit von Staat und Politik zu befreien, wird es bald keine Bauern mehr geben. Die satte Mehrheit im Lande wird das nicht bedauern, solange noch Milch und Honig aus anderen Quellen fließen.

Die Dürre wäre ein Anlass gewesen, sich von Weltmarktträumen, Politik und und anderem Irrsinn zu verabschieden. Bleibe im Lande und nähre Dich redlich! Wie soll die landwirtschaftsferne Bevölkerung denn auch verstehen, dass mit deutschem Steuergeld Milch oder Weizen für den Weltmarkt produziert werden sollen?