Parteien sollen an der politischen Willensbildung mitwirken. Berufs- oder Interessenverbänden ist eine ähnliche Rolle zugedacht. Nichtregierungsorganisationen (NGO) waren den Vätern des Grundgesetzes noch nicht bekannt oder jedenfalls nicht für diese Aufgabe vorgesehen. Streng genommen fehlt den NGO jede demokratische Legitimation.

Wie konnten NGO überhaupt so großen Einfluss auf die politische Willensbildung erlangen? Sie machen Stimmung und treiben die Politik vor sich her. Die Parteien greifen solche Stimmungen auf, Interessenverbände und Lobbyisten müssen vor Neid erblassen.

Unzählige Menschen in Verbänden und Vereinen setzen sich uneigennützig und ehrenamtlich für andere ein. Und doch erhalten Sie selten die öffentliche Aufmerksamkeit, die den NGO zuteil wird. Das muss frustrierend sein, da helfen auch keine Bundesverdienstkreuze.

Im Unterschied zu Parteien und Verbänden werden NGO nicht durch komplizierte demokratische Abstimmungsprozesse gelähmt, sie können wie Wirtschaftsunternehmen erfolgs- und zielorientiert geführt werden. Das erklärt ihren Erfolg aber nur teilweise.

Berufsverbände wollen die Interessen ihrer Mitglieder vertreten. Das muss auf das Publikum eigennütziger wirken als der selbstlose Einsatz für Tiere, Umwelt oder fremde Völker. Bauern und Unternehmern wird unterstellt, dass es ihnen nur um Profit geht, während die NGO den Anspruch erheben, die Welt besser oder gerechter zu machen.

Und seien wir ehrlich: oft genug hat man den Eindruck, dass das große Ganze die Berufsverbände gar nicht sonderlich interessiert. Sie halten ihre Arbeit für getan, wenn sie dem Staat Geld für ihre jeweilige Interessengruppe aus dem Kreuz geleiert haben.

Oft suchen Verbände die Nähe zur Politik, um den Staat gemeinsam zu melken. Eine Hand wäscht die andere. Verbände werden mit Subventionen und Versorgungsposten ruhiggestellt.

Die Parteien unterhalten teure Stiftungen, die – mit Steuermitteln – die politische Willensbildung fördern sollen. Hört man von denen bahnbrechende neue Vorschläge oder Konzepte? Fehlanzeige.

„…Ein fettes Huhn legt wenig Eier. Ganz ähnlich geht´s dem Dichter Meier, der auch nicht viel mehr dichten kann, seit er das große Los gewann.“ (Wilhelm Busch)

Warum entwickeln die Interessenverbände der Landwirte keine Vorschläge zu einer Agrarwende im Sinne der Bauern? Kommen sie jemals heraus aus der Defensive?

Wer erst einmal am staatlichen Tropf hängt, ist dem Geldgeber zu Dank verpflichtet und muss politische Rücksicht nehmen. Mit Einfallsreichtum, Unabhängigkeit oder gar Aufmucken ist es dann nicht mehr weit her. Das Publikum vertraut indessen lieber unabhängigen Organisationen, die nicht von Staat oder Industrie gesponsert werden.

Es gibt eine auffällige Parallele bei den Kirchen: Volle Gotteshäuser bei den Freikirchen, während den Staatskirchen die Gläubigen davonlaufen.

Freikirchen, NGO und Unternehmen sind Produkte freier Märkte, sie müssen sich Mühe geben. Staatskirchen, Parteien, Kammern und Verbände lassen sich lieber von Vater Staat ein gemütliches Nest einrichten.

Es hat wenig Sinn, die NGO und ihren Erfolg zu verteufeln. Die Interessen der Bauern werden dadurch auch nicht besser vertreten. Man sollte lieber darüber nachdenken, woran die positive Wahrnehmung der NGO in der Öffentlichkeit liegen mag. Es hat etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun.

Viele haben den Eindruck, dass sich Politik darin erschöpft, Partikularinteressen zu bedienen und Steuergelder an die verschiedenen Interessengruppen zu verteilen. Aber auch die demokratische Massengesellschaft braucht  moralische Instanzen, die das große Ganze im Auge behalten und Partikularinteressen in die Schranken weisen. Offenbar traut die Gesellschaft das den NGO eher zu als dem Bundespräsidenten, den Parteien oder den Staatskirchen. Woran mag das liegen?

Das Geheimnis des Erfolges: Nicht für den eigenen Geldbeutel – für die gute Sache kämpfen!

Eine NGO der Bauern wäre ein notwendiger und zeitgemäßer Beitrag zur politischen Willensbildung! Die anderen werden sehen, dass die gute Sache bei den Bauern am besten aufgehoben ist. Als NGO für Weltbewahrung und Schutz der Lebensgrundlagen habt Ihr die Moral auf Eurer Seite, denn langfristige Verantwortung für Land, Leute und Tiere ist Eure Kernkompetenz. Es geht nicht um unser Eigeninteresse, sondern um die anderen: um unsere Kinder. Viele wissen das nur noch nicht. Oder nicht mehr.