Bevor diese Seite eingestellt wird, sollen noch ein paar Steine in den Teich geworfen werden. Das Netz macht es möglich. Der Rufer in der Wüste braucht nicht den Beifall des Publikums. Er muß das ausrufen, was er für wahr hält, damit die Welt wenigstens die Chance hat, es zur Kenntnis zu nehmen. Mehr kann man nicht tun.

Sinngemäß heißt es bei Nietzsche: Es sind Ideen, die die Welt verändern. Aber selbst die größte Idee taugt nichts ohne einen, der sie aufführt.

Veränderung entsteht durch das Zusammenwirken von Denkern und Aufführern. Die Aufführer brauchen Gefolgschaft, sie suchen die Zustimmung der Menge. Dafür brauchen sie Ideen, die sie gut verkaufen können, weil sie dem Volke schmecken. Die hier vorgeschlagene Medizin schmeckt bitter, deshalb wird sie kein Aufführer verschreiben.

Bauer Willi ist das Paradebeispiel eines geschickten Interessenvertreters.   Er bringt seine Leute – die Landwirte – hinter sich, indem er den kleinsten gemeinsamen Nenner ihrer Überzeugungen herausarbeitet. Seine eigene Überzeugung darf ihm dabei nicht im Wege stehen.

Jeder Politiker versucht, den kleinsten gemeinsamen Nenner seiner Partei oder seiner Interessengruppe zu vertreten, um eine Mehrheit hinter sich zu scharen. Die vertretene Meinung muß nicht der eigenen Überzeugung entsprechen.

Die Aufgabe des Denkers ist eine andere. Er muß Fragen stellen und provozieren, damit etwas in Bewegung gerät. Denn ohne Anregung und Aufruhr bewegt sich nichts, kann sich auch der kleinste gemeinsame Nenner der Mehrheit nicht verändern.

Die Aufführer der westlichen Welt stehen vor einem unlösbaren Problem: Sie sind ihrem eigenen Narrativ auf den Leim gegangen, der Geschichte von Wohlstand und Wachstum, die das Publikum sehr gerne hörte. Jetzt sitzen wir alle zusammen in der Wachstumsfalle.

Die Aufführer können den Wählern nicht erklären, dass die Verheißung  ewigen Wachstums von Anfang an falsch war und niemals gehalten werden kann. Selbst die Grünen sind auf den Wachstumszug aufgesprungen, indem sie Wachstum und neue Arbeitsplätze durch regenerative Energien versprochen haben. Das wird nicht funktionieren, weil die Energiekosten der Gesellschaft nun schneller wachsen als die Einkommen. Auch die Elektromobilität wird keinen Wohlstandsgewinn bescheren, weil die Kosten von Rohstoffen, Vorprodukten und Energie schneller steigen als die verfügbaren Einkommen. Staatliche Förderung macht es nur noch schlimmer, weil sie Märkte verzerrt und Erträge aus produktiven Wirtschaftszweigen in weniger produktive Tätigkeiten umverteilt.

Von welchem Wachstum reden wir überhaupt? Jede Familie und jeder Unternehmer weiß, dass es mindestens drei Arten von Wachstum gibt:

Umsatzwachstum ist das Wachstum der Einnahmen. Vorsicht ist geboten, wenn die Kosten schneller steigen als der Umsatz. Erträge und Gewinne können nur wachsen, wenn der Umsatz schneller steigt als die Kosten.    Nur steigende Erträge und Gewinne mehren die Substanz und erlauben die Bildung von Rücklagen und Ersparnissen, die das Unternehmen oder die Familie in Zukunftsvorsorge investieren kann. Wie bei allen Organismen, die Energie aufnehmen und abgeben: Nur die eingelagerte, nicht wieder in Form von Kosten abgegebene Energie führt zu organischem Wachstum in Form von Zuwachs an Holz, Muskeln oder Fettpolstern.

Bürger und Wähler interessiert nicht das gesamtwirtschaftliche Umsatzwachstum, sondern die Entwicklung des eigenen Nettoeinkommens. Hier tritt die Diskrepanz zwischen dem Wohlstandsversprechen der Politik und der tatsächlichen Entwicklung immer mehr zutage, die Schere zwischen arm und reich wird größer. Die Verteilungskämpfe werden härter, den Wachstumsschwindlern wird das Vertrauen entzogen.

Rückwärtsgewandte Wähler träumen von alten Zeiten des Wachstums und billiger Energie aus Kernkraft und Braunkohle. Die Angst vor Verarmung treibt sie in die Arme von Politikern, die ihre Wünsche und Hoffnungen aufgreifen. Aber eine Rückkehr zu Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und dem Wohlstand früherer Jahre wird es nicht mehr geben, mit keiner Partei.

Im Westen konnten Erträge und Volkseinkommen wachsen, solange Energie immer billiger wurde und es einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber dem Rest der Welt gab.

Beide Voraussetzungen sind schon lange nicht mehr gegeben. Die Wachstumsillusion kann nur noch mit steigender Verschuldung aufrechterhalten werden. Aber auch das Wachstum auf Pump unterliegt dem Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs: auch immer größere Liquiditätsspritzen werden irgendwann wirkungslos.

Die gesamtwirtschaftlichen Kosten steigen schneller als die Umsätze, auch wenn die EZB die Kapitalkosten durch Nullzinspolitik niedrig zu halten versucht. Etwaige Produktivitätsfortschritte führen nicht mehr zu höheren Erträgen, weil Preise und Exporterlöse vom Weltmarkt bestimmt werden. Dort können europäische Anbieter keine höheren Preise durchsetzen.

Was wird also passieren?

Politik und Zentralbanken werden – mit wachsender Verzweiflung – versuchen, überschuldete Zombieunternehmen und -Staaten durch Anleihenkauf und Gelddrucken über Wasser zu halten und den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit durch Abwertung der Währungen zu verschleiern. Der Rest der Welt wird das nicht ewig hinnehmen, dem Euro wird ebenso wie dem US-Dollar das Vertrauen der Märkte entzogen werden.

Das Wachstumsmodell ist ein schuldengetriebenes Schneeballsystem.    Hier und da wird es auch mit dem Turmbau zu Babel verglichen.

Das ganze Ausmaß des betrügerischen Bankrotts wird sichtbar werden, sobald das Kartenhaus zusammenfällt. Dann werden alle Völker und Wähler Europas nach Protektionismus schreien. Alle werden ihr Heil in Abschottung und Selbstversorgung suchen, weil ihnen gar nichts anderes übrigbleibt. Ausnahmslos alle Aufführer, Politiker und Parteien, die überleben wollen, werden sich an die Spitze des neuen Trends stellen.

Auch die unter https://liegeboxen.de/liebe-bauern/ für die Bauern geforderten Maßnahmen werden dann ganz sicher kommen. Eines nicht zu fernen Tages wird das bankrotte Europa auf dem Weltmarkt in harter Währung ganz andere Preise für Erdöl und Rohstoffe zahlen müssen. Wenn Strom und Kraftstoff unerschwinglich werden, werden große Einheiten und Entfernungen unwirtschaftlich, weil sie zu viel Energie fressen. Es werden sich wieder dezentrale Strukturen und kleine Einheiten herausbilden.       Die Zukunft gehört der regionalen Selbstversorgung.

Leider wird es dann kaum noch Bauern geben. Es wäre ratsam, lieber heute als morgen über ein neues Geschäftsmodell nachzudenken.