Gute milch kostbar machen

2030 geht es den Milchbauern gut, weil sie schon 2017 die Weichen gestellt hatten. Auslöser war eine gute Idee, die im Juni 2017 bei bauerwilli.com vorgestellt worden war:

www.bauerwilli.com/reinheitsgebot-fuer-milch/

Eigentlich nur ein bewährtes Konzept der Vergangenheit. Hersteller und Handwerker müssen es immer wieder neu entdecken, wenn sie ruinösem Wettbewerb ausgesetzt sind: Qualität statt Masse.

Bei natürlichen Lebensmitteln ist die Herkunft das herausragende Qualitätsmerkmal.

Pflanzen und Tiere werden durch ihre Herkunft einzigartig und unverwechselbar.

Heumilch schmeckt anders als Milch von Kühen, die mit Rübenblattsilage gefüttert werden. Jede Landschaft hat ihre eigene Milch, jedes Tal seinen eigenen Käse. Die Eigenart geht verloren, wenn man alles zusammenmischt, um möglichst billige Massenware zu erzeugen.

Auf alpinen Bergwiesen wachsen andere Pflanzen und Gräser als in den Niederungen des Flachlandes. Jede Region hatte ihre eigenen Rinderrasse, die an den jeweiligen Standort am besten angepasst war. Es gab zahllose Unterschiede, die die eigene Milch einzigartig machten.

Gelingen konnte dies aber nur, weil sich die Milchbauern bei allen Unterschieden auf ein gemeinsames Ziel geeinigt hatten:

Milch durch Unterschiede wieder kostbar machen.

Um Herkunft und Qualität nicht zu verfälschen, wurden die Kühe nur noch mit natürlichem Futter von eigenen Flächen versorgt. Manchmal wurde so zwar etwas weniger Milch erzeugt, aber das wurde durch höhere Erlöse bald mehr als ausgeglichen.

2017 war die Initiative Kostbare Milch entstanden, in der sich nicht nur konventionelle Milcherzeuger und Bioverbände, sondern auch namhafte Verarbeiter und Marketingexperten aus Handel und Wissenschaft zusammengefunden hatten. Sie alle einte der Ehrgeiz, den Milcherzeugern durch private Initiative wieder zu einer dauerhaften Perspektive zu verhelfen und nicht länger auf Verbände oder Staat zu warten.

Die Wiederentdeckung der Herkunft war die Antwort der Milchbauern auf Weltmarkt und Massengesellschaft.

Niemand hatte mit dieser Reaktion der Verbraucher gerechnet.  Offenbar hatten die Märkte geradezu darauf gewartet, aus der Abhängigkeit von immer weniger großen Konzernen und Handelsketten befreit zu werden. Die Menschen hatten ein großes Bedürfnis nach Unterschieden und Authentizität. Die neue, kostbare Milch gab jedem die Möglichkeit, sich mit seiner Milch, ihrer Herkunft und Qualität zu identifizieren.

Herkunft, Vielfalt und Individualität statt industrieller Gleichmacherei.

Viele Psychoratgeber wurden überflüssig, seit sich die Menschen mit der Herkunft ihrer Milch auch wieder für die eigene Herkunft zu interessieren begannen. Und das alles nur, weil die Milchbauern die Initiative ergriffen und den Verarbeitern Qualität und Unterschiede erklärt und vorgegeben hatten!

Die Beschränkung auf natürliches Futter von eigenen Flächen war nur eine Ursache des Erfolges. Wesentlich schwieriger war es gewesen, die skeptischen Milcherzeuger für zwei andere Qualitätskriterien zu begeistern:

Kostbare Milch ist angesagt, weil sie doppelt so teuer ist wie das jeweils aktuelle Modegetränk aus industrieller Herstellung.

Milch war ein Naturprodukt, es musste sich im Preis deutlich von industriellen Billiggetränken unterscheiden. Deshalb wurde das Prädikat „kostbare Milch“ nur verliehen, wenn die ausgezeichnete Milch im Ladenregal mindestens doppelt so teuer war wie die jeweils teuerste Limonade. Wer kostbare Milch zu billig abgab, wurde nicht mehr beliefert.

Der Erfolg war verblüffend: es war plötzlich nicht mehr chic, möglichst teure Superdrinks oder Bier aus den entferntesten Gegenden der Welt zu trinken. Jeder Jugendliche wollte zeigen, dass er sich die teuerste Qualitätsmilch aus seiner Heimat leisten konnte. In Drogerien und Apotheken wurden Milchcremes zur Schönheitspflege zu Höchstpreisen verkauft. So verrückt ist die Welt…

Als frisch gilt nur noch, was aus der näheren Umgebung kommt.

Die Bezeichnung „Frischmilch“ durfte kostbare Milch nur führen, wenn sie zwischen Milcherzeuger und Verbraucher weniger als 100 km zurückgelegt hatte. Mit dieser Vorgabe hatten die Milchbauern die Verarbeiter gezwungen, wieder kleine, dezentrale Molkereien in der Fläche zu eröffnen. Kostbarer Käse durfte nur nach seiner Herkunft benannt werden, wenn die Milch auch in der Region ihrer Herkunft zu kostbarem Käse verarbeitet worden war.

Da es in der Umgebung großer Städte nicht immer genug Grünland für die Frischmilchversorgung gab, war kostbare Frischmilch in großen Städten extrem knapp und wurde zu Höchstpreisen verkauft.

Billigimporte?

Einige hegten die Befürchtung, dass die Bemühungen um kostbare Milch durch Billigimporte unterlaufen werden könnten. Diese Befürchtung hatte sich nicht erfüllt. Tatsächlich hatte eine große Handelskette den Versuch unternommen, in Berlin mexikanische Billigmilch auf den Markt zu werfen. Das hatte ihr einen gewaltigen Shitstorm, Verbraucherboykott und Umsatzeinbruch eingebracht. Sogar das Fernsehen hatte darüber berichtet. Weitere Versuche dieser Art blieben danach aus.

siehe auch:

www.liegeboxen.de/milch-2030/

www.liegeboxen.de/milch-2030-immer-mehr-milchbauern/