Technikspirale bedeutet: durch Technik geschaffene Probleme durch noch mehr Technik zu lösen versuchen. Wir vertrauen darauf, dass uns immer rechtzeitig eine neue Lösung einfällt. In den letzten siebzig Jahren hat das funktioniert, deshalb glauben wir, dass es immer funktionieren wird.

Vor vierzig Jahren galt Kernkraft noch als Lösung der Energiefrage. Durch Tschernobyl und Fukushima wurde klar, dass der in die Zukunft verschobene Aufwand für Endlagerung und Beseitigung von Technikfolgen ein unkalkulierbares Risiko darstellen könnte. Ähnliches gilt für fossile Brennstoffe, CO2 und Klimawandel. Also setzte man zumindest in Deutschland auf sogenannte erneuerbare Energie und überzog das Land mit Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Um anschließend überrascht festzustellen, dass der so erzeugte Strom unregelmäßig anfällt und über weite Strecken transportiert oder gespeichert werden muss. Auch hier verbrauchen Gewinnung, Speicherung und Transport von Energie jede Menge Ressourcen, bis hin zur „Entsorgung“ überschüssiger Energie, zusätzlicher konventioneller Kraftwerke für Bedarfsspitzen sowie Rückbau und Recycling veralteter Anlagen. Zur Lösung des Speicherproblems sollen dezentrale Speicher in Elektrofahrzeugen beitragen. Woher sollen die Rohstoffe für die notwendige Speicherkapazität kommen? Auch hier wird man schnell an Grenzen stossen – erst recht, wenn die ganze Welt mit einer wachsenden Bevölkerung diesem Beispiel folgen sollte.

Die Energiefrage wird das 21. Jahrhundert bestimmen. Eine wachsende Menschheit braucht mehr Energie, hinzu kommt ein steigender Energieaufwand zur Beseitigung von Technikfolgen. Energieaufwand ist der entscheidende Kostenfaktor bei jeder Rohstoffgewinnung. Billige Energie ohne Nebenwirkungen ist weit und breit nicht in Sicht.

Erntefaktor?

Der Erntefaktor ist eine entscheidende Größe in der Energiegewinnung. Er bezeichnet das Verhältnis von eingesetzter zu gewonnener Energie. Wenn die in einem Barrel Erdöl enthaltene Energie investiert werden muss, um fünf Barrel Erdöl zu fördern, errechnet sich z. B. ein  Erntefaktor von 5.

In der Ölförderung wird der Erntefaktor schon seit Jahren schlechter. Und doch machen Energiedichte und Erntefaktor Rohöl zu einem einzigartigen, unersetzbaren Energieträger. Selbst wenn es gelänge, Benzin aus Sonnenenergie oder Biomasse zu gewinnen – die Wirtschaftlichkeit jeder neuen Technik hängt vom Erntefaktor ab, also vom Energieeinsatz bei Gewinnung, Transport und Verarbeitung des Energieträgers.

Wenn der Erntefaktor sinkt, muss immer mehr Energie eingesetzt werden, um zusätzliche Energie zu gewinnen. Ähnliches gilt für die Förderung von Rohstoffen.

Die in Deutschland verbrauchte Primärenergie stammte 2016 zu fast 80 % aus fossilen Quellen.

Wachsende Weltbevölkerung und wachsender Pro-Kopf-Verbrauch ergeben in Verbindung mit einer Verschlechterung des Erntefaktors einen exponentiell wachsenden Energiebedarf: Ein wachsender Anteil des Energieverbrauchs entfällt dabei auf Energieförderung und Rohstoffgewinnung.

Energiegewinnung lohnt sich, solange dabei mehr Energie gewonnen als verbraucht wird. Ein schlechterer Erntefaktor in der Energie- und Rohstoffgewinnung bedeutet zwar höhere Kosten, aber die  Ölförderländer brauchen ständig Einnahmen, um Schulden oder Sozialbudgets bedienen zu können. Alle werden ihre Bodenschätze ausbeuten, solange noch etwas Nettoenergie übrig bleibt. Solange es ein strukturelles Überangebot gibt, liegen die Weltmarktpreise in der Nähe der Herstellkosten. Deshalb werden die letzten Reserven verschleudert. Die künftige Verknappung wirft aber  ihren Schatten voraus:

Jeder weiß, dass Fracking keine nachhaltige Lösung der Energiefrage ist und dass die Ölförderung nur teurer werden kann. Trotzdem werden die USA versuchen, mit eigener Förderung Zeit zu gewinnen, um die Energiepreise niedrig und Saudi Arabien im Zaum zu halten. Wegen ihrer exorbitanten Verschuldung und Außenhandelsdefizite wird es für die USA zunehmend schwieriger, den Petrodollar als Weltreservewährung durchzusetzen.

Mit abnehmendem Erntefaktor kann Erdöl nur teurer werden. Regenerative Energieträger können das billige Erdöl mengenmäßig nicht ansatzweise ersetzen. Nachhaltige Energiegewinnung in Land- und Forstwirtschaft kann erst wettbewerbsfähig werden, wenn der Erntefaktor dieser Energieträger höher ist als der von Erdöl. Das wird kommen: der weltweite Energiehunger beschleunigt die Erschöpfung der fossilen Vorräte. Irgendwann wird dezentral genutzte Biomasse wirtschaftlicher als Rohöl, nur gibt es dann auch keine billige Energie mehr für den Betrieb von Technik und Maschinen. Energie wird knapp und teuer sein.

Die DLG könnte eine neue Aufgabe darin finden, den energetischen Erntefaktor in der Landwirtschaft zu optimieren.

Einerseits sind hochproduktive Landwirtschaft und Industrie abhängig von Technik und billiger Energie. Andererseits kann Energie nur knapper und teurer werden.  Nach dem Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs können die Erträge mit höherem Ressourceneinsatz auch nicht mehr gesteigert werden: sie werden möglicherweise sogar sinken, z. B. wegen „Technikfolgen“ wie Resistenzen, klimatischer Veränderungen oder neuen Schädlingen und Krankheiten.

Die neue Herausforderung kann nur lauten, die Landwirtschaft nach und nach wieder aus der Abhängigkeit von Fremdenergie und Technik herauszuführen – und den energetischen Erntefaktor in der Landwirtschaft zu optimieren: Möglichst hohe Erträge mit möglichst wenig Einsatz an Fremdenergie in der gesamten Wertschöpfungskette. Es geht um mehr als nur eine Verbesserung der Energieeffizienz: die Natur wird den Rückgriff auf bewährte Konzepte der Vergangenheit sonst irgendwann erzwingen.

Optimum statt Maximum: Für die DLG würde dieser Ansatz eine 180°-Wende bedeuten. Wird die DLG überflüssig, wenn sie diese Kurve nicht kriegt?

Unsere herkömmliche Wirtschaftsweise beruht auf Energieumwandlung und -Verbrauch. Ein immer größerer Teil der wachsenden Weltbevölkerung möchte daran teilhaben und profitieren. Warum wird die Aufmerksamkeit immer auf die Folgen, also etwa auf CO2 und Weltklima gelenkt statt auf die Ursache, den Energiehunger? Weil damit kein Geld zu verdienen wäre und ein sparsamer Umgang mit begrenzten Ressourcen deshalb politisch nicht durchsetzbar ist?

siehe auch: www.goldseiten.de/artikel/331220–Die-Angst-vor-dem-groesstem-Banken-Run-der-Geschichte.html