Zum Wesenskern der Marktwirtschaft gehört die Preisbildung durch Angebot und Nachfrage. Gesetze und Normen bilden den Rahmen, in dem sich Angebot und Nachfrage treffen und Märkte bilden.  Staatliche Regulierung durch Ordnungspolitik ist notwendig und sinnvoll, soweit sie dem Schutz der Marktteilnehmer dient.

Was aber bleibt von einer marktwirtschaftlichen Ordnung noch übrig, wenn der Staat Angebot oder Nachfrage zu steuern versucht? Wenn die Politik versucht, Märkte in eine bestimmte Richtung zu lenken oder Wachstum zu stimulieren? Wenn Geldpolitik, Umweltpolitik, Energiepolitik, Gesundheitspolitik, Wirtschaftspolitik oder Agrarpolitik instrumentalisiert werden, um das Verhalten von Unternehmern und Verbrauchern zu beeinflussen?

Der Staat hat sich als Unternehmer noch nie bewährt. Folgerichtig hat sich der Staat auch aus Beteiligungen und unternehmerischen Aufgaben zurückgezogen. Aber stattdessen greift die Politik durch Übernahme von Verlusten und Haftung zugunsten einzelner Unternehmen ein. Oder sie lenkt unternehmerisches Handeln und Angebot durch Anreize, billiges Geld oder Investitionszuschüsse, überlässt aber dem Unternehmer Risiko und Haftung. Der wachsende staatliche Interventionismus ist nicht die Lösung, sondern ein großer Teil des Problems.
Hätte die Politik nicht eher die Aufgabe, Märkte, Eigentum und eigene Qualitäts- Umwelt- und Sozialstandards zu schützen, zum Beispiel durch Grenzen und Zölle?

Die staatliche Steuerung des Geldangebotes beginnt mit der Festlegung eines gesetzlichen Zahlungsmittels: der Euro ist nicht aus Wettbewerb verschiedener Währungen hervorgegangen. Er ist eine Schöpfung der Politik. Der Staat vergibt ein Geldschöpfungsmonopol an die Geschäftsbanken. Auch der Zins als Preis des Geldes ergibt sich nicht aus Angebot und Nachfrage, sondern aus der Geldpolitik der Zentralbanken. Hoheitliche Organe steuern – als Nachfrager und Anbieter – die Kapitalmärkte.

Eigentlich müssten hohe Kreditnachfrage und hohes Ausfallrisiko zu hohen Zinsen führen. Aber die Zentralbanken sorgen im Einklang mit der Politik dafür, dass die Zinsen niedrig bleiben: sie nehmen das Überangebot an Staatsanleihen vom Markt. Sie refinanzieren die Geschäftsbanken, indem sie ihnen diese Papiere abkaufen oder beleihen. So werden viel zu viele überdimensionierte Geschäftsbanken künstlich am Leben und in der Lage gehalten, immer wieder neue Anleihen von maroden Staaten zu zeichnen.

Mit der Bildung von Zentralbanken und der Abschaffung des Goldstandards wurde Marktwirtschaft im Geldwesen zugunsten von Politik und Machtkartellen abgeschafft. Die Verantwortung für Exzesse und Krisen der letzten hundert Jahre tragen nicht Märkte oder Kapitalismus, sondern die politischen Mächte, die das Geldwesen unter dem Vorwand der Demokratisierung verstaatlicht haben.

Hochverschuldete Staaten und Regierungen brauchen billiges Geld, weil die Steuereinnahmen schon lange nicht mehr reichen. Die Folgen sind Verwerfungen und Kapitalvernichtung auf den Gütermärkten. Die Geldpolitik begünstigt Schuldner und Verbraucher und bestraft Sparen und Kapitalbildung. Sie verursacht zyklische Krisen und verhindert natürliche, allmähliche Anpassungsprozesse. Substanzverzehr und Konsum auf Pump sind Folgen staatlicher Steuerung und Umverteilung. Zukunftsvorsorge und Nachhaltigkeit bleiben dabei auf der Strecke.

Kapital und Energie sind die beiden Stützpfeiler der Industriegesellschaft. Nicht nur das Geldangebot, auch Energieangebot und Energiepreise entstehen aus politischer und staatlicher Steuerung. Die Preise von Kapital, Energie und Arbeit steuern Angebot und Preisbildung in fast jedem Markt.

Die Bezeichnung „Turbokapitalismus“ hat eine solche Wirtschaftsordnung nicht verdient: das System krankt nicht an zu viel Markt, sondern an zu viel Staat; an zu viel Sozialismus und zu wenig Kapitalismus, zu wenig Haftung und Eigenverantwortung.

Wettbewerb ist der natürliche Feind der Macht. Verkrustete Machtstrukturen sind immer wettbewerbsfeindlich. Irgendwann wird der Aufwand für den Machterhalt zu groß, müssen Verluste und faule Schulden abgeschrieben werden. Dann fällt der allmächtige Wohlfahrtsstaat in sich zusammen wie ein leerer Sack und der Kaiser ist wieder nackt.

Das Leben wird weitergehen – Wettbewerb und Knappheit sind die Selbstheilungskräfte der Natur. Dann schlägt wieder die Stunde der Marktwirtschaft.