Sind steigende Notierungen für Palladium und andere Edelmetalle Vorboten einer allgemeinen Rohstoffverteuerung? Was bedeutet das für Landwirte?
Trotz allem Gerede um Klimaschutz, Dieselaffäre, Elektromobilität oder regenerative Energien: Weltwirtschaft und tägliches Leben werden im 21. Jahrhundert mehr denn je vom Erdöl bestimmt. In dem Thriller „Ausgebrannt“ schildert der Schriftsteller Andreas Eschbach meisterhaft und faktenreich die physikalischen, wirtschaftlichen und historischen Zusammenhänge, auf denen diese totale Abhängigkeit beruht.

In dem spannenden Buch wird auch die Frage aufgeworfen, warum die Saudis ihr Öl so billig verramschen. Welches Interesse kann das Land mit den angeblich niedrigsten Förderkosten am Dumping des Ölpreises haben?

Vielleicht ist es müßig, nach einem strategischen Interesse zu suchen, wo es ganz triviale Gründe gibt. Es sind die selben Gründe, die auch Milchbauern oder andere Rohstoffproduzenten dazu bewegen, ihre Erzeugnisse unter Wert zu verkaufen: Man braucht laufende Einnahmen, um Kosten zu zahlen und Schulden zu bedienen. Unter vielen Anbietern eines austauschbaren Produktes wird sich immer einer finden, der aus wirtschaftlicher Not jeden Preis akzeptieren muss und den anderen die Preise verdirbt.

Seit Jahrzehnten wächst die globale Verschuldung schneller als Weltwirtschaft und Einkommen. Auch unter den Ölförderländern gibt es immer mehr arme Schlucker, die Kredite bedienen und um jeden Preis verkaufen müssen.

Was aber, wenn die Ergiebigkeit von Ölquellen nachlässt und immer weniger ergiebige Vorkommen gefunden werden? Terminmärkte können spekulative Übertreibungen eindämmen, solange ein strukturelles Überangebot besteht. Einer tatsächlichen Verknappung können sie nichts entgegensetzen.

In jüngster Zeit war zu lesen, Venezuela sei nun das Land mit den größten Ölreserven der Welt. Aussagekraft und Wahrheitsgehalt solcher Informationen sind von politischen Interessen gefärbt und mindestens so fragwürdig wie Verlautbarungen des saudi-arabischen Erdölministeriums oder Berichte des Weißen Hauses über Nutzen und Erfolge der Frackingindustrie.

Globale Überschuldung und Geldmengenwachstum nagen am Wert der Währungen, auch des US-Dollars. Wenn die Weltwirtschaft schwächelt, werden die Zentralbanken die Liquiditätsschleusen noch weiter öffnen und die Abwertung der Währungen beschleunigen. Der steigende Goldpreis nimmt das vorweg.

Bei Palladium gibt es aktuell hohe Nachfrage und zu wenig Angebot. Die Förderung von Rohstoffen ist energieintensiv. Wenn die Ergiebigkeit der Vorkommen nachlässt, wird die Förderung teurer.

Höhere Förderkosten und Geldentwertung führen zu höheren Energie- und Rohstoffkosten. Auch die Kosten landwirtschaftlicher Erzeugnisse werden schneller steigen als die Erlöse. Mit Rohstoffspekulation wird leichter Geld zu verdienen sein als mit ehrlicher Arbeit. Das wird den Rohstoffpreisen zusätzlichen Schub verleihen.