Wir leben in einer verrückten Zeit. Wir schöpfen aus dem Vollen, als wenn es kein gestern und morgen gäbe. Nach uns die Sintflut…

Wir leben in einem kleinen Dorf. Über Jahrhunderte war das Dorf sich selbst genug. Auf dem Dorf gab es fast alles, was für das tägliche Leben notwendig war.

Vor 25 Jahren wurde hier noch mehr Milch gemolken, als das ganze Dorf brauchte. Jetzt gibt es weit und breit keine Milchkühe mehr. Der letzte Milchbauer im Nachbardorf hat vor vier Jahren aufgehört. Wir haben schlechte, flachgründige Böden mit hohem Tonanteil und vielen Steinen, viele Hanglagen. Auf den Äckern stehen Weizen, Raps oder – seit wenigen Jahren – auch Mais, der von monströsen Maschinen gehäckselt und auf gewaltigen  Anhängern in die 10 km entfernte Biogasanlage befördert wird.

Vor vier Jahren hat Starkregen im August die Rapssaat mit der Krume weggeschwemmt. In diesem Jahr hat Starkregen im Mai Krume und Dünger aus den Maisfeldern gespült. Von Jahr zu Jahr sind mehr Steine zu sehen. Unsere große, alte Scheune dient schon lange nicht mehr der Aufbewahrung von Vorräten. Sie dient jetzt der Spaßgesellschaft für die Unterbringung von Wohnmobilen und Oldtimern.

Mit Nahrungsmitteln versorgen wir uns im Supermarkt. Wenn wir frische Milch brauchen, spannen wir 100 Pferde an und fahren in die Stadt. Wir kaufen Milch, die irgendwo in weiter Ferne mit Futter aus Übersee erzeugt, von Melkrobotern gemolken und dann wieder hunderte km zur Verarbeitung und Verteilung gekarrt wurde.

Nein, wir müssen Gott sei Dank nicht mehr jeden Tag um das nackte Überleben bangen wie noch 99 % aller Menschen, die vor uns geboren wurden. Wir leben im Überfluss und halten es für selbstverständlich. Wir haben uns an den permanenten Ausnahmezustand gewöhnt wie an einen glücklichen Rausch. Klimawandel und Artensterben sind unvermeidliche Nebenwirkungen unserer Lebensweise. Zu den aussterbenden Arten zählen leider auch die Bauern.

Die Nutzung fossiler Energie hat das Leben der Menschen mehr verändert als alle früheren Erfindungen. Wir leben nicht mehr von unserer Hände Arbeit und von dem, was Sonne und Regen wachsen lassen. Mehr als 95 % unseres täglichen Bedarfs werden mit Hilfe von fossiler Energie gedeckt, die meisten Konsumgüter bestehen aus umgewandeltem Erdöl oder werden mit diesem erzeugt. Industrialisierung und Globalisierung sind der Tod der bäuerlichen Landwirtschaft.

Kann dieses Schlaraffenland von Dauer sein? Jede Party geht zuende, jedem Rausch folgen Kater und Ernüchterung. Wird dem Spaß auf Pump der große Bankrott folgen?

Die Rückkehr zum Normalzustand, zu Armut, Elend, Mangel, Not und Hunger kann nicht für alle Zeiten ausgeschlossen werden. Leider wird es dann keine Bauern mehr geben, die uns in Notzeiten ernähren könnten.

Wie wird der Rest der Menschen ohne Bauern überleben? Wahrscheinlich gar nicht. Die Natur wird die Erde von den Menschen befreien, die geschundene Erde wird erleichtert aufatmen.  Nach uns wird wieder Platz geschaffen für anderes, neues Leben.

Es hätte anders kommen können, wenn die Menschen zur Vernunft gekommen wären. Aber wir werden unsere Lebensweise nicht freiwillig ändern. Also wird die Natur die Anpassung erzwingen: Friss, Vogel, oder stirb. Wir werden erst der Not gehorchen, die Vernunft ist machtlos. Dann wird es zu spät sein, weil es keine Bauern mehr geben wird.

Wir hätten die letzten Reste bäuerlicher Landwirtschaft retten können, dann hätten wir vielleicht bessere Chancen gehabt. Wir hätten die Bauern befreien können, wie im folgenden Brief an die Bauern vorgeschlagen.

Es wird nicht gelingen, weil es zu viele Einwände geben wird: Den einen sind die Vorschläge zu unrealistisch, anderen sind sie zu grün, zu europäisch oder zu protektionistisch. Alles Ausreden! Wir wollen es nicht, weil wir kein Interesse daran haben, unsere Lebensweise zu ändern. Wer will schon auf Spaß und Bequemlichkeit verzichten?

liegeboxen.de will weder Wahlen gewinnen noch irgendetwas verkaufen. Betrug und Selbstbetrug überlassen wir den Marktschreiern, Scharlatanen und Rosstäuschern, die immer die Welt regieren: Die Welt will betrogen sein.

liegeboxen.de wird das Schicksal der Bauern teilen. Wir werden von der der Bildfläche verschwinden, die Seite wird zum Jahresende eingestellt.

Kommt gut durch den Winter!