In Deutschland wachsen die Exporte und die Steuereinnahmen. Die Beschäftigung steigt, vor allem bei den „öffentlichen Dienstleistern“. Mit der allgemeinen Zufriedenheit wächst auch wieder die Zustimmung zu Angela Merkel, wie die letzten Wahlen zeigen. Die Zahl der Einwanderer scheint ja auch nicht mehr ganz so schnell zu wachsen. Aber wer weiß das schon so genau. Auf unseren flachgründigen Böden wächst dieses Jahr wenig, denn das Frühjahr war – wieder einmal – viel zu trocken.

Was wächst denn sonst so in diesem Frühling? In den Nachbarländern im Süden und Westen wachsen Schulden und Außenhandelsdefizite. Im Euroraum und bei der EZB wachsen die Target-2-Salden. Verschuldung und Geldmenge wachsen überall in der Welt und führen zu steigenden Kursen für Aktien und andere spekulative Anlagewerte. Die Rohstoffpreise steigen nicht so schnell, denn das billige Kreditgeld sorgt überall für strukturelle Überangebote, leider auch bei Agrarrohstoffen.

Auch die Rüstungsausgaben wachsen, vor allem die der USA. Mit wachsender Verschuldung steigt der Aufwand zur Verteidigung von Petrodollar und Weltreservewährung, also wachsen die Militärausgaben. Und der Energieaufwand bei Gewinnung von Energie und Förderung von Bodenschätzen wächst ebenfalls. Und natürlich wächst die Weltbevölkerung, vor allem in instabilen Ländern und Krisenregionen. Die Zahl der Schwachköpfe in Regierungsverantwortung scheint auch zu wachsen.

Gesundes, solides, nachhaltiges Wachstum?

Nun, zum Glück wachsen auch unsere Kinder.

In der Weltwirtschaft sucht man indessen vergeblich nach gesundem, solide finanziertem Wachstum. Was heisst das für die deutschen Wähler?

Die Älteren sind zufrieden, weil es ihnen gut geht und ihre Renten noch sicher scheinen. Mit der Entfernung von sozialen Brennpunkten wachsen auch Gleichgültigkeit und Toleranz in der Einwanderungsfrage, jedenfalls ist das im Moment nicht so wahlentscheidend. Hier wird gerne noch geglaubt, dass die Zuwanderer durch Konsum, höhere Gesundheitsausgaben und mehr Stellen bei der Polizei zum Wirtschaftswachstum beitragen. Wer seit Jahrzehnten von der Umverteilung eines immer gewachsenen Kuchens profitiert hat, wird wohl auch 2017 wieder eine der großen sozialdemokratischen Volksparteien wählen.

Bei den Jüngeren wächst die Skepsis gegenüber dem sozialdemokratischen Geschäftsmodell. Sie ahnen, dass es die gewohnte soziale Sicherheit und gesicherte Altersversorgung für sie nicht mehr geben wird. Die Früchte vergangenen Wachstums sind bereits verteilt; was übrig bleibt, sind Schulden und Altlasten. Das Versprechen sozialer Gerechtigkeit wird nicht mehr geglaubt, weil es nicht nachhaltig finanzierbar ist. Deshalb wird die Neuauflage dieses sozialdemokratischen Evergreens den Niedergang der Sozialdemokratie nicht aufhalten können.

Mit Thilo Sarrazin statt Martin Schulz hätte die SPD bessere Karten.

Eine wachsende Minderheit merkt, dass sich vieles ändern wird und ändern muss. Die „Abgehängten“ merken es am eigenen Geldbeutel, bei anderen wächst mit der Sorge um die allgemeine Weltlage der Wunsch, soziale Errungenschaften und Interessen des eigenen Landes zu schützen – durch Grenzen. Die SPD hat es verpasst, ihr neues großes Thema zu finden. Mit Thilo Sarrazin statt Martin Schulz wäre sie stärker als die CDU und es gäbe keine AfD in den Parlamenten.

So aber gibt eine neue Partei – wie seinerzeit die Grünen – die neue Richtung vor. FDP und CDU werden sich der Entwicklung anpassen, sobald es ohne die Unzufriedenen keine Mehrheiten mehr gibt. Für hartgesottene Linke wird es ganz schwierig, wenn es nichts mehr zu verteilen gibt. Um die verbleibenden Marktanteile auf der linken Seite des Spektrums streiten sich drei Parteien. Die Grünen werden dabei unter die Räder kommen, denn kritische, ökologische und liberale Wähler werden auch von anderen Parteien bedient. Man kann sich auf Dauer nicht einerseits wachstumskritisch und nachhaltig geben und andererseits den schuldenfinanzierten Wohlfahrtsstaat für alle fordern. Diesen Spagat nimmt einem am Ende keiner mehr ab.