Was ist eigentlich Sinn und Aufgabe von Bauernverband oder BDM? Ist doch klar, sie sollen die Interessen der Bauern und Milcherzeuger vertreten, gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Sie sind der Ansprechpartner der Politik bei Gesetzesvorhaben und versuchen ihrerseits der Politik Geld und Zugeständnisse abzupressen. Aber liegt das im Interesse ihrer Mitglieder?

Enttäuschung ist vorprogrammiert.

Für Außenstehende sieht das nach Lobbyismus aus, das mag man nicht. Und für Landwirte besteht die Versuchung, mit der Vertretung ihrer Interessen auch unternehmerische Verantwortung an die Verbände abzutreten.
Eigentlich muss jeder Unternehmer selbst entscheiden, was er in welcher Qualität für welchen Markt produzieren will. Das ist unternehmerische Kernkompetenz, aus der sich ganz unterschiedliche Interessen ergeben.

Unternehmerische Kompetenzen dürfen nicht an Verbände oder Verarbeiter delegiert werden.

Für Interessenverbände und ihre Funktionäre ist es sehr schwierig, unternehmerische Einzelinteressen unter einen Hut zu bekommen. Gemeinsame Forderungen an Dritte, zumeist an den Staat, schweißen die Mitglieder am besten zusammen. Aber so entstehen oft unrealistische Vorstellungen, die nicht durchgesetzt werden können, von der Außenwelt zu Recht als Partikularinteressen wahrgenommen werden, das Ansehen der Milcherzeuger schmälern und zuletzt zu Enttäuschung und Frustration führen müssen.

Die Bauernverbände haben sich in die Sackgasse manövriert.

Seit Jahrzehnten geht das schon so: Die Verbände stellen Forderungen, damit die Politik den Geldhahn aufdreht. Besonders gut funktioniert das in Wahljahren. Aber im Gegenzug beansprucht der Staat natürlich das Recht, Landwirtschaft und Tierhaltung „im Interesse der Allgemeinheit“ zu regulieren. Was im Interesse der Allgemeinheit liegt, entscheiden letzten Endes die Wähler, die zu über   80 % in Städten leben und von Landwirtschaft keine Ahnung haben.

Es erscheint uns inzwischen selbstverständlich, dass Staat oder EU immer neue Vorschriften oder Richtlinien zur Tierhaltung herausgeben. Gibt es denn in der Milchviehhaltung überhaupt weiteren Regelungsbedarf? Kuhkomfort, tiergerechte Haltung und natürliches Futter von eigenen Flächen liegen im wirtschaftlichen Interesse jedes Milchbauern, manche wissen es nur noch nicht.

Statt staatliche Reglementierung grundsätzlich abzulehnen, fordern die Verbände lieber schon einmal vorsorglich finanziellen Ausgleich für verschärfte Richtlinien zur Tierhaltung. Schade! So führt der Weg immer tiefer in die Abhängigkeit vom Staat.

Der „Erfolg“ der Verbandsvertreter wurde zu lange daran gemessen, welche finanziellen Leistungen sie für ihre Mitglieder herausholen konnten.

Die Verbände könnten der Politik ja auch sagen: Ihr braucht das nicht zu regeln, wir machen das selbst:

Warum einigen sich die Bauernverbände nicht selbst auf Qualitätsstandards für die Tierhaltung und nehmen ihre Mitglieder in die Pflicht? Je strenger die Qualitätsstandards, desto knapper und kostbarer wird die Milch. Wer nicht mitmachen will, mag irgendwann auf seiner Billigmilch sitzenbleiben.

Milchbauern könnten ihre Angelegenheiten selber regeln, viel besser als Staat oder EU das können.

Eigentlich sollten die Verbände die Bauern aus der Abhängigkeit vom Staat befreien …

… und sich anschließend auflösen!

Wer von anderen etwas will, sollte ein Angebot machen.
Am besten ein Angebot, das die anderen nicht ausschlagen können.

Wenn die anderen glauben, dass Tierhalter Tiere quälen und zu sehr subventioniert werden, dann könnte die Lösung heißen:

Steuerzahler und EU brauchen nicht zu zahlen und zu regeln, sie sollten aber Binnenmarkt und Eigentum schützen.

Sie sollten Freiheit und Eigenverantwortung durch wirksame Zollschranken schützen, damit Märkte ihr Gleichgewicht finden können. Ausgleichszahlungen und Umverteilung wären dann gar nicht nötig. Mit der Deckung des eigenen Proteinbedarfs aus eigenen Flächen hätte die europäische Landwirtschaft gut zu tun. Für eine nachhaltigere Lebensweise wäre damit mehr erreicht als mit Agrarexporten oder veganen Lebensmitteln aus Übersee.