Wir haben es satt

Am Rande der Fressmesse: Wir haben es satt.

Die Grüne Woche war schon immer bekannt als „Fressmesse“. Die Masse der Berliner und der Messebesucher interessiert sich nicht wirklich für die Belange der Landwirtschaft. Interessanter sind exotische Köstlichkeiten aus fernen Ländern. Im Radio war zu erfahren, dass erstmals auch Quatar auf der Messe vertreten war: mit Datteln und Mineralwasser aus eigener Erzeugung. Zwar war Quatar bisher nicht für Reichtum an Trinkwasser bekannt, aber man lernt nie aus! Und die Globalisierung nimmt immer kuriosere Formen an.

Wichtigeres hat sich am Rande der Grünen Woche abgespielt. Da ist es den Veranstaltern der Demo „Wir haben es satt“ gelungen, sich nicht politisch vereinnahmen zu lassen und auch der konventionellen Landwirtschaft eine Brücke zu bauen. Nicht zuletzt dank Bauer Willi: http://www.bauerwilli.com/verbinden-statt-trennen/ Wenige Worte haben gereicht, um allen klar zu machen, dass die Landwirtschaft ein gemeinsames Problem hat: den Weltmarkt.

Den meisten scheint klar zu sein, dass  europäische Qualitätsstandards ohne Außenschutz nicht durchzusetzen sein werden. Willi hatte den Mut, die völlige Abschaffung von Agrarsubventionen zu fordern – aber in Verbindung mit Importschranken für Lebensmittel und Agrarrohstoffe.

Im Film hört man Unmutsäußerungen aus dem Publikum, als Willi die Abschaffung von Subventionen fordert: ein linksgrüner Reflex auf alles, was neoliberal sein könnte.

Aber es wird gleich ruhiger, als Willi sich für Importverbote ausspricht. Dr. Kremer-Schillings ist eben kein Neoliberaler, sondern ein Liberaler alter Schule: Für die ist es noch selbstverständlich, dass der Staat sich auf Ordnungspolitik zu beschränken hat, etwa durch Außenschutz. Innerhalb dieses Rahmens können die Menschen ihre Angelegenheit ohne den Staat selbst am besten regeln.

Was Liberale übrigens wieder von Landwirten lernen sollten, Herr Kubicki.

Hier wurde ein gemeinsamer Nenner gefunden, der der Politik – hoffentlich! – noch zu schaffen machen wird:

Landwirte wollen keine Subventionen, sondern auskömmliche Erzeugerpreise. Landwirtschaft braucht keinen Weltmarkt, sondern Außenschutz.

Agrarexporte zu Dumpingpreisen würden sich wegen knapper Flächen schnell erübrigen, wenn Futtermittel für die europäische Veredlungswirtschaft europäischen Ursprung haben müssen. Ob mit oder ohne Glyphosat – wer seinen Betrieb erhalten will, muss mit seiner Arbeit Geld verdienen.

Wir haben es satt? Wir auch.

Freihandel ist das Credo eines Heuschreckenschwarms, den keine Grenzen aufhalten: Alles wird kahlgefressen, nach uns die Sintflut. Freihandel ist nicht liberal, denn ihm fehlt der Respekt vor dem Eigentum fremder Nationen und künftiger Generationen. Mit Marktwirtschaft und solidem Wirtschaften hat der schuldengetriebene Welthandel schon lange nichts mehr zu tun. Auch Konservative und Liberale haben gute Gründe, dem Freihandelsdogma abzuschwören.